Reisetipps

Marrakeschs Touri Fallen

Unser so einzigartiges, ziegelrotes Marrakesch mit den vielen kleinen Gassen, wunderschönen Riads, orientalischen Basaren und diesem Urlaubsgefühl von Freiheit! Ein Urlaub gar nicht so weit weg von daheim, aber trotzdem in einer anderen Welt. Seit Jahrzehnten kommen jedes Jahr Millionen von Touristen aus aller Welt hierher, um sich die Stadt anzuschauen und ein Abenteuer zu erleben. Die meisten bleiben an die 4 Tage, bummeln durch die Medina und machen etliche Fotos. Aber wie auch in jeder anderen Hochburg im Tourismus, hat auch Marrakesch seine Schattenseite. Eine Seite, die einem ganz schön auf die Nerven gehen und bei schwachem Gemüt auch wirklich den Urlaub versauen kann: Marrakeschs Touri Fallen, die an fast jeder 3. Gassenecke lauern.

Touri Fallen Marrakeschs

Seit diesem Jahr, also eigentlich jetzt erst seit einem Monat, wurde es schlagartig etwas ruhiger in der Medina. Immer mehr Blog Artikel und Polizei Anzeigen machten das Land enorm auf die miesen Maschen aufmerksam. Es wird mehr kontrolliert, Grill Restaurants auf dem großen Platz wurden zum Teil geschlossen und die Zivilpolizei hält mehr Ausschau(Eigentlich). Was nicht bedeutet, dass es ganz aufgehört hat. Aber wie ihr euch und euren Urlaub samt happy Stimmung vor den Touri Fallen Marrakeschs schützt, erfahrt ihr hier!

Die Henna Damen

Henna ist mit eine der schönsten Traditionen Marokkos und viele Mädels können es nicht erwarten, sich ein solch schönes Tattoos von einer einheimischen Marokkanerin aufmalen zu lassen. Auf dem großen, berühmten Platz Jamaa el Fna sitzen sie, die berühmten Henna Damen, oft das halbe Gesicht verschleiert und mit kleinen Musterheftchen vor sich. Sobald sie dich sehen, öffnet sich ihre Touri Falle, sie springen auf, laufen dir hinterher, nehmen deine Hand und fangen mit ihrer Henna Spritze auch schon an zu malen, egal ob du es willst oder nicht. Hier muss man echt stark bleiben und diese zum Teil schon etwas rabiat wegschubsen, denn sonst lassen sie nicht von einem ab. Oft verwischen sie dann aus Wut über ihr geplatztes Geschäft das angefangene Tattoo, wollen ab 100€ für ihren nicht gebuchten Dienst und können ganz schön frech werden . Zum Teil folgen sie ahnungslosen Touristen, die überhaupt nicht wissen, was ihnen geschieht, auch zum Bankautomaten. Hier von vornherein mit der Polizei drohen, die sich ebenfalls im großen Gebäude rechts auf dem Platz befindet, denn erst dann gehen sie weg. Diese Art von “Damen” hat mit netten Marokkanerinnen an sich nichts zu tun und könnte, wenn sie denn wollte, auch anders ihr Geld verdienen. Ich vergleiche sie immer mit den Zigeuner Banden bei uns in Deutschland und blocke sie ab, bevor sie den Mund aufmachen können.

Die Schlangenbeschwörer

Ganz berühmt für Marokko, sind ja unsere Schlangenbeschwörer, die wirklich das Talent haben, mit ihrer Flöte die Schlange aus dem Säckchen heraus zu musizieren. Ein sehr mystisches und interessantes Spiel, dass man sich gerne anschaut. Aber so wie es leider ist, kann man dies nicht ohne auch hier einiges an Geld loszuwerden. Fotos kosten, das anschauen auch vom weiten kostet und oft wird einem das liebe kleine Reptil auch schon um den Hals gelegt. Also wenn du sie dir unbedingt anschauen möchtest, rechne mit ein paar Euro die du dafür zahlen musst. So wie eigentlich alles auf dem großen Platz, denn nichts ist hier umsonst.

Die Affen

Eine sehr traurige Story, ist die der Berber Affen auf dem großen Platz. Nicht nur, dass diese Affenart stark vom Aussterben bedroht ist, nein! Sie werden als Baby von ihren totgeschlagenen Müttern mit in die Touri Stadt genommen um dort die Touristen zu bespaßen. Sie bekommen Kostüme an, lernen kleine Saltos, leben in Holzkisten und werden an Eisenketten gehalten. Auch hier das Gleiche wie bei den Schlangen. Anschauen kostet, aber richtig. Am besten auch hier einen großen Bogen drum machen!

Mittelmänner

Eine der extremsten Touri Fallen Marrakeschs, ist die der Mittelmänner. Diese stehen fast überall oder laufen einfach so umher, um nach ahnungslosen Touristen zu suchen, durch diese sie ihre Kommissionen verdienen können. Mittlerweile wurden sie auch schon schneller und fahren mit dem Moped umher. Hier wird den Touristen erzählt, dass es nur heute den so seltenen Berber Basar gibt oder das die Richtung, in die sie laufen, in eine Sackgasse führt. Oft hört man die Worte: ” It´s closed here” oder “The square is there”… Hierbei handelt es sich am Ende nur um falsche Wegführungen, die meistens in die Gerberei führen, wo natürlich teuer mit schönen Waren gehandelt wird. Diese Gruppen sind professionell und riechen die Naivität und Gutgläubigkeit der Ausländer schon von weitem. Lasst euch nicht beirren, gar nicht zuhören und weiterlaufen. Wenn sie nicht gehen, auch hier mit der Polizei drohen, denn das ist der einzige Weg, wie man sie loswird. Diese Männer machen dieses Geschäft schon von klein auf mit und wissen ganz genau, wie sie euch in eine Unterhaltung verwickeln. Und hier gehts schon lange nicht mehr nur um den netten armen Mann der ja auch was verdienen muss …

Lizenzierte Stadtführer

Schon vorher buchen sich viele einen lizenzierten Stadtführer über ihre Unterkunft oder anders online. Auch werden sie in den Hotels und Riads angeboten, damit man einen tollen Überblick über die Altstadt bekommt, sich etwas im Labyrinth auskennt, was über Kultur und Tradition erfährt und die schönsten Dinge anschauen kann. Generell ist diese Idee auf jeden Fall super, denn Marrakesch ist nicht einfach zu überschauen und man kann sich etliche Male böse verlaufen. Mit so einem Stadtführer läuft es sich viel gelassener und man wird auch nicht so oft von den Mittelmännern angesprochen. Nur leider, arbeiten die meisten von denen mit ganz vielen Kräuter Apotheken, Geschäften und Restaurants zusammen, von denen sie mindestens 25% von deinem Kaufpreis abbekommen. Obwohl sie ja schon 10€ die Stunde vom Gast kriegen plus oft ein gutes Trinkgeld, reicht es immer noch nicht uns sie veranstalten Shoppingtouren”. Solltet ihr an so einen geraten, brecht die Tour beim ersten Laden oder aufkommenden komischen Gefühl ab und bezahlt ihn auch nicht, egal was er sagt. Selbst die Polizei würde euch recht geben und davor sorgen, dass er seine Guide Lizenz verliert. Marrakesch und seine ehrlichen Menschen leiden wirklich sehr unter diesen Betrügereien. Solltet ihr ihn online gebucht haben, gebt ihm sofort eine schlechte Bewertung um andere davor zu warnen, egal auf welcher Online Plattform. Bei Buchung übers Riad/Hotel, auch dort Bescheid sagen und es mit in die Hotel Bewertung schreiben, denn sonst werden die nie aufhören, mit ihm zusammenzuarbeiten. Denn auch hier bekommt jeder seinen Happen vom gebuchten Dienst ab. Selbst wir als Agentur, haben bis heute meistens nur schlechte Erfahrungen mit diesen Stadtführern gemacht. Und als Tourist ahnt man auch nicht, mit was für Maschen sie arbeiten, die man sich oft im Traum nicht vorstellen kann. So Sätze wie, er habe ja Geschichte oder auch Germanistik studiert plus seine Guide Lizenz, die er da um den Hals trägt, imponieren ja auch sehr!

Das Geschäft mit den Kommissionen

Eine der schleichenden, sehr nichtsahnenden Touri Fallen Marrakeschs, ist das Geld machen durch Empfehlungen oder Vermittlungen. Klar habt ihr Fragen, braucht Tipps oder müsst euch mal nach dem Weg erkunden. Speziell beim netten Riad Besitzer, dem Jungen, der das Frühstück macht, der Teppichverkäufer der ja die ganze Zeit schon so nett war- Sie kassieren alle mit nur ganz wenigen Ausnahmen! Selbst viele europäische Hotel,- und Riadbesitzer, die ja nicht immer hier sind und ihren Angestellten vertrauen und denen mit einem tollen Arbeitsplatz helfen möchten, wissen oft nicht was so hinter ihrem Rücken passiert. Sie kommen her, finden die Medina so toll, kaufen sich ein Gasthaus und vertrauen den Menschen manchmal etwas zu viel. Ohne zu wissen, dass diese ja so aufgewachsen sind, mit dem Geschäft der Kommissionen, dass es für sie ganz normal ist. Deshalb sucht euch eure Restaurants, Attraktionen, Gärten und mehr direkt selbst online heraus. Ladet euch die Offline Map “Maps.Me” herunter und fragt so gut wie nie nach irgendetwas. Denn wirklich, selbst für jede Restaurantempfehlung, Flughafentransferbuchung, Tagestour, Shop Empfehlung oder Hamam Besuch, bekommen sie alle bis zu 25%. Fürs eigentlich nichts tun. Und euer Preis erhöht sich somit natürlich auch. Nichtsahnend und ganz leise schnappt eine der Klappen der Touri Fallen Marrakeschs zu…

Auf dem Basar

Wie die meisten, geht man an einem der Urlaubstage in Marrakesch los, um sich seine Mitbringsel und Dekoartikel zu kaufen, denn diese sind wirklich wunderschön hier! Aber eines müsst ihr wissen: Marrakesch ist schon lange nicht mehr das günstigste Touristen Gebiet, speziell, wenn es um schöne Riads und die Preise in den Restaurants und Geschäften geht. Die Menschen, die in den Shops arbeiten, sind meistens nur auf Kommissionen angestellt und bekommen keinen Monatslohn, da sie mit den Kommissionen ja viel mehr Geld verdienen können. Was bedeutet, sie sind dazu gedrängt, soviel wie möglich und am besten sehr teuer zu verkaufen. 25% davon gehören meistens ihnen. Natürlich ist es schon sehr traurig und man möchte die Leute ja auch unterstützen. Aber bei mehr als 2000 Geschäften kann man das nicht überall tun. Auch ist nicht jeder ein Lügner und Betrüger, aber wie wollt ihr diese in dem Getümmel finden? Selbst ich habe Jahre gebraucht, ehrliche Menschen zu finden und falle selbst heute immer noch aufs Mündchen. Passt also hier auf bei Tee Einladungen, Käfigen mit Reptilien drin oder persönlichen Fragen zu eurer Herkunft oder Komplimenten. Die wenigsten haben wirklich Interesse an einem netten Gespräch.

Aber so ist es hier: In Marrakesch fließt das Geld durch die Gassen, etwas das man sich so beim ersten Besuch überhaupt nicht vorstellen könnte! Für wirklich fast alles, muss man bezahlen, auch oft ahnungslos hinter eurem Rücken. Deshalb, wie schon gesagt, macht euch vorher schlau, lest Empfehlungen durch Blog Artikel und ladet euch die Offline Map herunter. Macht euch einen schönen Urlaub, ignoriert die Menschen, die euch einfach so auf der Straße ansprechen, geht aus den Läden, wenn ihr nicht vernünftig schauen könnt und hört immer auf euer Bauchgefühl!

Und wenn du selbst schon Erfahrungen in Marrakesch sammeln konntest, kannst du diese gern hier als Kommentar posten!

6 Comments

  • Isabell

    Puh, danke für die ausführlichen Tipps! Da fällt es einem schwer, sich nicht abschrecken zu lassen, obwohl Marrakesch ganz oben auf unserer Travel Bucketlist seht. Aber vorher über die Maschen Bescheid zu wissen, ist ja schon mal die halbe Miete!

    • Fobo2019

      Hi Isabell!

      Marrakesch ist schon super schön und sehr authentisch! Aber wenn man gerade so alleine die Medina erkunden möchte, sollte man wissen was einen erwarten könnte. Muss es aber nicht!

      Und viel Spaß in Marokko, falls ihr es mal schafft 🙂

  • Martin Dücker

    Guten Tag,
    ja, Marrakesch ist nicht Marokko. Diese Stadt ist wunderschön, aber…..
    Ich lande lieber am modernen Flughafen, nehme NICHT das erste Taxi für 15 €, sondern du bekommst auch eins für 7 € zum Supratour-Bahnhof. Dort kaufe ich mir für 8 € ein Ticket nach Essaouira und schon hast du Marokko live. Die Busse sind sehr modern mit Klima und nach 1,5 Std. gibt´s ne 20 min. Pause. Nach weiteren 1,5 Std. erreicht man die herrliche,
    am Meer gelegene Stadt, Essaouira. Die überschaubare, aber trotzdem geheimnissvolle Medina, steht zu Recht auf der Liste der Unesco-Weltkulturerbe. Ich möchte behaupten, nach dreimaligem Besuch, die vielen häßlichen Sachen, die auch ich in Marrakesch erlebt habe, die wirst du hier nicht antreffen. Nicht umsonst trägt mein neues Buch den Titel:
    “Wo die Hunde mit den Katzen kuscheln”.
    Sinnbildlich gesprochen haben sich hier irgendwie alle lieb. Dies mag jetzt blauäugig daher kommen, ich empfinde es jedesmal so. Und von einem Tagestrip nach dem beworbenen Sidi Kaouki, kann ich nur abraten. Plastik, Hinterlassenschaften der verschiedensten Tierarten, vollgekiffte, stehengebliebene Alt- 68 er.
    Marokko, ich komme wieder.

    • Fobo2019

      Hi Martin!

      Ich find dein Kommentar echt Klasse! Denn du hast vollkommen Recht, Marrakesch ist toll aber wirklich so ganz anders als Essaouira.
      Es ist spiritueller, direkt am Meer und die Menschen sind auch dort nicht so penetrant…
      Ich bin auch gerne mal dort, für ein paar Tage, danach reichen mir die Hippies und der Schinmel aber auch…
      Es kommt halt immer drauf an was man sucht, was man erleben will und da liegt der Vorteil auch in Marrakesch, denn hier gibt es was für jeden, halt nur das Meer nicht…
      Ich hab mal 2 Jahre in Essaouira gelebt, erst in der Medina und dann auf dem Land. War auf jeden Fall toll, aber irgendwann auch super langweilig und man hatte immer die gleichen Menschen um sich herum. Da kannst du in Marrakesch einfach in den Souks verschwinden und unsichtbar sein…

      Aber jaah, Sidi Kaouki ist auf jeden Fall nicht mehr das was es mal war… Wie du schon sagtest: Zu viel Müll und echt schmutzig irgendwie…

      Und auf dein Buch bin ich echt gespannt… Sag mir Bescheid wenn’s fertig ist!

      Bis dahin alles Liebe auf deinen Essaouira-Reisen!

      LG,

      Nadine

  • Stefanie

    Hallo Nadine,

    oha…..das mit dem lizensierten Guide haben wir leider auch erlebt. Er war sehr nett, aber leider hat er uns von einem Geschäft zum anderen geschleppt, obwohl wir uns überhaupt nicht für diese Waren (Teppiche, Kosmetik, Pantoffeln usw.) interessiert haben. In manchen Geschäften hat er uns dann den verkaufsbeflissenen Verkäufern überlassen und irgendwo mit Kumpels Tee getrunken oder sich seinem Handy gewidmet. Und für das Ganze haben wir 50 € bezahlt. Wir hatten eigentlich erwartet (und das hatte er auch in seinem Inserat angeboten), dass er uns auf unserem Weg durch die Souks begleitet und uns die verschiedenen Handwerker zeigt und uns ggf. dann beim Handeln unterstützt. Dies ist leider nicht geschehen.

    Was ich auch unverschämt fand war ein Keksverkäufer. An der Koutoubia Moschee war ein relativ alter Mann, der mit einem Tablett mit Kokoskeksen herumlief. Wir haben ihm gesagt, dass wir keine kaufen möchten. Er hat uns dann in ein kurzes Gespräch verwickelt von wegen woher wir denn kämen blahblah und dann hieß es “Hier, ich schenke euch einen Keks”. Als wir diese annahmen, sollten wir plötzlich dafür bezahlen und der Mann wurde ziemlich unfreundlich. Wir haben ihm das Geld gegeben (es war unverschämt viel für 2 Kokoskekse) und haben das Weite gesucht.

    An derselben Stelle wurden wir von einer Wahrsagerin sehr lange verfolgt. Egal wo wir hin gingen, sie folgte uns und versuchte uns penetrant zu belabern. Wir haben das Gelände der Koutoubia aus diesem Grund so schnell wie möglich verlassen.

    Über die Schlangenbeschwörer, Affen-Halter und Hennafrauen hatten wir schon vorher gehört und haben einen seeeehr weiten Bogen um sie gemacht bzw. haben die Beine in die Hand genommen, wenn sie trotzdem auf uns zu kamen.

    • Fobo2019

      Ja, leider muss man da wirklich aufpassen und drauf achten, dass der Guide wenigstens eine offizielle Registrierung hat. Aber klar, auch dann besteht die Garantie nicht, dass daraus eine Shoppingtour wird 🙁

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.