Das Opferfest in Marokko
Das Leben in Marokko

Das Opferfest in Marokko – Meine Erfahrung

Heute ist es wieder soweit, denn genau wie in anderen muslimischen Ländern auch, findet das Opferfest in Marokko statt. Vielleicht habt ihr ja sogar schon mal von gehört oder es auch miterlebt, denn durch die Zuwanderer Ströme wird es ja auch in Deutschland immer mehr gefeiert, sodass es eigentlich fast unmöglich ist, nichts drüber gehört zu haben. Und in diesem Post ” Das Opferfest in Marokko- Meine Erfahrung”, erzähle ich euch wie genau es abläuft, etwas über seine Geschichte und wie es für mich war….

Ibrahim, Ismail und das Schaf

Es heißt ja laut Koran, dass Ibrahim (bei den Juden und Christen Abraham genannt) eines Nachts davon träumte, dass Allah ihm befahl seinen geliebten Sohn Ismail zu opfern. Zuerst dachte Ibrahim aber, dass dies nur der Teufel war, der ihm Streiche spielte und ignorierte diesen Traum. In der folgenden Nacht trat der gleiche Traum jedoch wieder auf und befahl ihm, Ismail zu opfern. Ibrahim sah wohl ein, dass dies kein Zufall war und war sich sicher , dass Allah ihm eine Botschaft schickte.

Ibrahim liebte seinen Sohn Ismail zwar sehr, dennoch war er voll und ganz bereit, dem Befehl Allahs zu folgen und zu tun, was er ihm befohlen hatte. So nahm er Messer und Strick, und brachte seinen Sohn auf den Gipfel des Berges Arafat. Als sie an einem geeigneten Plätzchen ankamen, erzählte er seinem Sohn von seinem Traum und dem, was Allah ihm befohlen hatte. Der junge Prophet Ismail, ein sehr gehorsamer Sohn, ging sofort auf die Wünsche Allahs und die seines Vaters ein. Er bat darum, dass er ihm aber vorher Hände und Beine fesseln sollte, damit er sich nicht wehren konnte. Auch wollte er, dass sein Vater sich die Augen verband, um seinen geliebten Sohn nicht leiden sehen zu müssen.

Das Opferfest in Marokko
Eigentlich hat man ja im Islam keine Bilder… Ich hab nur mal dieses herausgesucht, damit ihr euch auch was drunter vorstellen könnt

Also tat Ibrahim, um was Ismail ihn gebeten hatte. Mit verbundenen Augen und dem Messer in den Händen tat er, was Allah von ihm verlangte. Als er die Augenbinde abnahm, sah er aber zu großer Überraschung die Leiche eines toten Widders vor sich. Ismail stand völlig unversehrt neben ihm. Zuerst dachte er, dass etwas furchtbar schief gelaufen wäre und das er die Anweisung seines Schöpfers missachtet hatte. Aber dann hörte er eine Stimme, die ihm sagte, dass Allah sich um all seine Anhänger kümmert und das er sich keine Sorgen machen brauchte. Ein heiliges Wunder hatte stattgefunden. Beide, Ibrahim und Ismail hatten gerade eine schwierige Prüfung von Allah bestanden.

Das Eid al-Adha

Seitdem feiern jedes Jahr während des Monats Dhul Hijjah, dem letzten Monat des heiligen Kalenders, Muslime auf der ganzen Welt das Opferfest. Es soll an die damalige tapfere Tat Ibrahims erinnern und auch daran, dass alle Muslime weiterhin nach Hingabe, Gehorsamkeit und Unterwerfung leben sollen. Aus diesem Grunde opfern sie Tiere (vorzugsweise ein Schaf, Ziege, Kuh oder auch Kamel) nach speziellen Regeln und Praktiken.

Den Muslimen wird zum Eid al-Adha und auch beim Freitagsgebet fürs gesamte nächste heilige Jahr aufgetragen, Allahs Befehle ohne Widerstand zu befolgen. Die Aufgaben, die er allen Muslimen auferlegt hat, wie zum Beispiel Salat beten, Saum durchführen (das Fasten im Ramadan), Zakat bezahlen (Spenden an Arme, Behinderte und Alte) und die Pilgerreise der Hadsch antreten (Nach Mekka in Saudi-Arabien reisen).

Immer dem Mond nach

Der Mondkalender hat 12 Monate und das Opferfest wird am 10. Dhul Hijjah gefeiert, dem 12. Monat des islamischen Kalenders. Dieser gesegnete Tag folgt auf den besten Tag des Jahres, dem 9. des Dhul Hijjah. An diesem Tag versammeln sich alle Pilger, die von weither hierherkamen, auf der Ebene des Bergs Arafat in der Nähe von Mekka im heutigen Saudi-Arabien.

Das Opferfest in Marokko
Tausende von Pilger auf dem Berg Arafat

Was auch hier sehr interessant und wichtig zu wissen ist, der Beginn eines neuen Monats wird nicht wie bei uns durch Berechnung eines neuen Monats bestimmt, sondern wirklich nur an der Form des Halbmondes und Übereinstimmung der Hadith des Propheten Mohammeds.

Dieser teilte nämlich mit, dass der Mondmonat entweder 29 oder 30 Tage besitzt. Nachdem dann also die Sonne am 29. Tag untergegangen ist, kann man sich aufmachen und nach dem Stand des Halbmonds schauen. Sieht man ihn, dann ist der nächste Tag der erste des nächsten Monats. Ist er aber aufgrund einer Wolke nicht sichtbar, werden einfach 30 Tage gezählt.

An diesem Tag sollen alle Muslime sich an bestimmte Vorgaben halten (die Sunnas). Dazu gehört zum Beispiel auch zwischen der Morgendämmerung und dem nächsten Sonnenuntergang ein Bad zu nehmen oder duschen zu gehen.

Um es kurz zu machen….

  • Das Eid al-Adha oder auch genannt Opferfest, ist das wichtigste Fest des muslimischen Kalenders
  • Es findet jedes Jahr am 10. Tag von Dhul-Hijjah, dem letzten Monat im muslimischen Kalender statt
  • Der 9. Tag ist der Tag, an dem die Pilger, die nach Mekka reisen auf dem Berg Arafat stehen
  • Am 9. Tag soll auch gefastet werden
  • Zum Eid al-Adha gehört die Hadsch-Reise (Pilgerreise) nach Mekka al-Mukarrama, welche aber sehr teuer ist und deshalb nicht von jedem einfach so angetreten werden kann.
  • Das Opferfest geht ganze 3 Tage, die auch Tashreeq genannt werden
  • Dieses Fest soll an die Bereitschaft und Tapferkeit des Propheten Ibrahims, Allah zu gehorchen, indem er seinen Sohn opferte, erinnern
  • Muslime glauben, das Ibrahims Sohn Ismail und nicht Isaak heiße, sowie es im Alten Testament steht. Auch heißt ja dort Ibrahim, Abraham
  • Der Prophet Ismail gilt als der Urvater der Araber
  • Nach der Geschichte des Korans, wollte der Prophet Ibrahim seinen Sohn opfern, indem er ihn mit einem Messer hinrichtete
  • Aber, obwohl sein Messer geschärft war, schnitt es nicht
  • Der Grund dafür soll sein, das egal was auf Erden geschieht, nur durch den Willen Allahs auch wirklich passiert
  • Allah wollte nicht, dass Ismail verletzt wird und beschützte ihn. Seinem Vater gab er stattdessen einen Widder zum opfern
  • Aus diesem Grunde opfern auch heute Millionen von Muslime Schafe, Kühe, Ziegen und auch Kamele und geben Teile davon zugunsten Allahs an Bedürftige und arme Menschen ab
  • Muslimische Familien essen ungefähr ein Drittel des Fleisches und spenden den Rest an die Armen
  • Es ist für alle von großer Bedeutung, den Bedürftigen zu helfen und sie alle an diesem Tag gleichermaßen glücklich und fröhlich zu machen
  • Die Zeit der Udhiah oder des Opfertiers, beginnt mit dem Sonnenaufgang des Eid-Tages und endet mit dem Sonnenuntergang des dritten Tages (der Tage von Tashriq)

Mein erstes und letztes Opferfest in Marokko

Es war noch im ersten Jahr meines Auswanderlebens hier in Marokko. Dem Jahr in dem ich noch einiges dazu lernte und versuchte Tradition, Kultur und Religion zu lernen und mich so gut es ging dran zu gewöhnen. Viele Auf und Abs, schöne und auch weniger tolle Dinge passierten mir, über die ich heute im Nachhinein doch aber sehr froh bin, denn sie halfen mir enorm in den letzten 9 Jahren hier weiter.

Zu der Zeit lebte ich noch in einem kleinen privaten Riad in Kasbah, einem Medina Teil, da wo der noch bewohnte Königspalast steht und die Störche auf den Mauern sitzen. Nicht weit entfernt von den Saadiern Gräbern.

Ich war noch mit dem Boxer zusammen, von dem ich im anderen Blog Artikel schrieb (Eine dieser Klischee-Geschichten, wie man sie halt so kennt).

Ein paar Mal waren wir schon bei seiner Mutter zum Essen eingeladen, meistens zum Couscous, den sie am Freitagmittag nach dem heiligen Gebet der gesamten Familie servierte. Sie war eine sehr liebe, tüchtige Dame die nach dem frühen Tode ihres Mannes Haushalt und 4 Söhne auf Trab hielt. Also keine verschleierte Hausfrau die Daheim nichts zu sagen hatte. Verschleiert war sie schon aber konnte auch Haare auf den Zähnen haben.

Und dieses Mal lud sie mich zum Opferfest in Marokko ein, von dem ich mir so überhaupt nichts drunter vorstellen konnte, außer das die Wörter “Opfer” und “Fest” mich bereits etwas vorahnen ließen, etwas das mir aber eher Unbehagen als Freude bereitete. Zwar komme ich vom Lande und sah als Kind öfters wie mein Großvater vor meinem KInderzimmer-Fenster im Garten den Hühnern den Kopf abschlug ,die dann ohne weiter rannten … Aber musste ich das noch mal mit ansehen?!

Nun ja, so war ich halt damals noch. Auch wenn mir etwas nicht so gefiel, machte ich es mit nur um den anderen nicht zu enttäuschen, wollte in diesem Falle die gut gemeinte Einladung nicht ablehnen und ging hin. Zum Glück hab ich aber auch daraus gelernt.

Auch wollte mein toller Ex das ich unbedingt komme, da ich ja jetzt zur Familie gehörte und auch wissen sollte, was es für Rituale gab. Irgendwie recht hatte er ja. Ich wohnte halt jetzt in einem so anderen Land, sollte schon wissen was hier so gefeiert wird. Das es aber in diesem Fall nur um ihn und seinen Ruf ging, wusste ich da noch nicht. Wie hätte es denn ausgesehen wenn die Freundin vom großen Boxer die Einladung zum Opferfest ablehnte?! Unvorstellbar…

Und da an diesem Morgen bereits schon alles zu hatte, besorgte ich am Tag zuvor noch eine Keksbox in einer sehr guten Konditorei der Neustadt, um der Dame des Hauses eine Freude zu machen. Außerdem ist es ja auch gang und gäbe, dass man bei Besuchen eine kleine Aufmerksamkeit wie z.B. Gebäck mitbringt, ich hätte auch nicht gewusst was ich anderes hätte mitbringen sollen. Laut ihm sollte ich überhaupt nichts kaufen aber so ganz mit leeren Händen wollte ich auch nicht auftauchen.

Also machte ich mich auf

Der Boxer ging schon früher raus diesen Morgen, was mich sehr wunderte, denn normalerweise konntest du ihn an den Tagen an denen er kein Training hatte, nicht vor 12 aus dem Bett kriechen sehen. Er ging wahrscheinlich schon vor, um mit seiner Familie den großen Tag vorzubereiten und wir vereinbarten das ich einfach nachkomme, sobald ich fertig war. Das kleine Riad lag inmitten der alten Medina, der Himmel war etwas betrübt und ich nahm einen leichten Geruch von Rauch wahr. Am Tag des Eids soll man früh aufstehen und mit dem Opfern der Tiere beginnen. Viele Familien machen es so, dass sie pro Mann und seiner Ehefrau jeweils ein Schaf kaufen. Und da ja bis heute noch viele Söhne ihre Frauen nach der Hochzeit mit nach Hause bringen, gibt es oft sogar 2 oder 3 Schafe in der Familie. Diese werden oft 1 – 2 Wochen vorher gekauft und sind auch nicht billig. Eines allein kostet an die 1500 – 2000 DH, also 150 – 200€ umgerechnet. Ein ganzer Monatslohn von den meisten, die in der Medina oder in normalen Verhältnissen leben…

Das Opferfest in Marokko
Speziell in den letzten Tagen sieht man sie überall: Schafe auf den Straßen, in Taxis, Kofferräumen, auf Mopeds und durch die Weltgeschichte getragen

Also lief ich mit der Keksschachtel in der Hand, einer langen Sommer-Hose und Langarmshirt die Gasse entlang zur Familie des Boxers. Es war noch September und immer noch super warm aber trotzdem wollte ich niemanden mit meinem Longsleeve Tattoo am Arm stören, speziell an diesem heiligen Tag. Das war nämlich auch wieder so eine Sache, denn er hatte mich so mit meinen Tattoos kennengelernt aber seine Mutter dürfte sie nicht sehen, wäre ja Haram (eine Schande), da es im Islam verboten war. Heute würde ich ihm einen Vogel zeigen und entweder so kommen, wie ich bin oder gar nicht. Schließlich verstellt sich für mich ja auch niemand…

Auf dem Weg war alles wie ausgestorben, so ungewohnt. Schnell bemerkte ich den beißenden Geruch von verbranntem Fleisch und Knochen und meine Augen fingen an zu tränen. Alle Shops waren zu und an kleinen Ecken saßen Jungs, die eifrig die Köpfe, Fettlappen und sonstige Überreste der bereits geschlachteten Schafe verbrannten. Kleinere Kinder kamen aus den Gassen und schleppten immer weitere Tierreste von Zuhause an, erfreuten sich an ihrer Tat. Für sie war es halt ein ganz normales Ritual, ein großes Fest und nichts Neues! Genauso wie sich deutsche Kinder über Weihnachten freuen…

Die Medina war nicht mehr wieder zu erkennen und ich war mir sicher, dass Touristen, wenn sie denn heute erst anreisten, den Kulturschock ihres Lebens bekamen! Man könnte nämlich meinen, dass man im Land von Kannibalen angekommen und dieser Zustand ganz normal wäre. Auch kann man ja an den 3 Tagen nicht wirklich viel von Marrakesch erleben, bis auf ein paar offene Restaurants, alles andere ist zu.

Die Schafe…

Bei seiner Mama angekommen, traf ich schon einige der Familienmitglieder und 2 hübsche weiße Schafe an, die im Hausflur standen und die letzten Tage schön von den Kindern zugefüttert wurden.

Es war ein normales Einfamilienhaus auf 3 Etagen welches oben offen war, so wie wir es ja auch von den Riads kennen.

Das Wohnzimmer bestand aus einem Sofa und 2 kleineren Kämmerchen wo ebenfalls Sitzgelegenheiten für alle waren. Die 12-jährige Enkeltochter verteilte Tee und Kekse während die älteren 2 Frauen nervös durchs Haus liefen. Und dann kam er, der Schlachter der von Haus zu Haus ging, um den Familien beim Opfern zu helfen. Wir saßen alle auf unseren Sofas, als würde man sich einen Film anschauen…

Kennt ihr die Szene im Horrorfilm wo man sich dann vor lauter Schiss halb die Hand vor die Augen hält? Genauso saß ich da!

Zu dritt brachten sie die Schafe ins Wohnzimmer, hielten sie fest und schnitten ihnen die Kehlen durch. Danach knabberte der Schlachter mit seinen Zähnen an den Gelenken der toten Tiere, um das Fell besser abziehen zu können und die Damen fingen an zu wischen. Natürlich, wer auch sonst.

Ein kleiner Grill arg qualmender Grill wurde in den Eingang des Wohnzimmers gestellt, der dazu führte das keiner von uns mehr richtig sehen konnte. In der Küche wurde Gehirn in Fettmassen eingerollt, Leber und Herz zurecht geschnitten. Das Grillen begann!

Oliven sind eigentlich so überhaupt nicht mein Ding aber ganz ehrlich? An diesem Tag, wo ja nur die ersten Teile des Schafes wie Organe usw. verzehrt werden dürfen während der Rest ausblutete, brachte ich davon kein Stück runter und verspeiste seiner Mutter zur Liebe die grünen und schwarzen Oliven, um sie nicht noch mehr zu kränken. Auch sah man dem Boxer an, wie sehr er sich für mich unwissendes, sich zu sehr anstellendes Ding, schämte. Aber das war mir so egal, ich brachte einfach keinen Bissen runter, schon aus dem Grund nicht weil über uns die aufgehängten Schafe am Geländer des 2. Stockwerkes hangen. Auch war ich nicht so der Fan von Hirn und Eingeweiden…

Ich weiß ja, dass es ein heiliges Fest ist und man andere Bräuche irgendwie tolerieren sollte. Tue ich- Aber mit Abstand. Ich bin niemals wieder zum Opferfest gegangen, finde es einfach nicht schön und möchte nicht daneben stehen wenn sie dem Tier die Kehle aufschneiden. Es reicht mir schon im Straßenverkehr mit ansehen zu müssen, wie sie die Viecher auf Motorrädern und in Kofferräumen transportieren. Viele erleiden einen Hitzeschlag oder sterben schon vorm Opfern an anderen Ursachen…

Omars Familie erwartet von uns auch das wir kommen. Aber zum Glück ist uns jedes Jahr irgendwas dazwischen gekommen… Irgendwelche Touren, unsere Hochzeitsvorbereitungen und dieses Jahr sind die Stadtgrenzen wegen der Corona Pandemie geschlossen. Wir machen uns zu Hause einen schönen Tag, kochen was Leckeres und feiern auf unsere Art…

Das Opferfest in Marokko
Jetzt vor kurzem erst fand ich dieses “Super Angebot” zum Opferfest im Supermarkt

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