Das Leben in Marokko,  Meine Erfahrungsgeschichten

Schwiegermütter in Marokko

Also erstmal, so ganz am Anfang dieses Blogs, möchte ich sagen das es natürlich überall auf der Welt Probleme mit den Schwiegereltern geben kann. Egal ob Schwiegermütter in Marokko oder sonst wo, es gibt immer Mütter und Söhne oder Töchter für die es sehr schwer ist, loslassen zu können oder die ständig ein schlechtes Gewissen ihren Eltern gegenüber haben. Speziell dann, wenn sie selbst ins eigene Leben losziehen wollen. Auch Väter die rasend eifersüchtig werden, sobald ihre Tochter sich verliebt hat, sowas gibt es leider überall…

Aber trotzdem bin ich mir nach meinen 16 Jahren in muslimischen Ländern fast mehr als sicher, dass Schwiegermütter in Marokko sehr speziell sind. In allen muslimischen Ländern eigentlich, was aber nicht am Islam selbst liegt, sondern an primitiven, egoistischen, verbitterten Menschen! Und nicht nur die Mütter, auch die Nabelschnur zwischen ihnen und ihren Söhnen die in den meisten Fällen nicht vernünftig abgenabelt wurde, ist was ganz besonderes, nämlich sehr speziell. Natürlich gibt es da Ausnahmen, aber was ich so von Freunden, Bekannten und durch andere Stories hörte, besagt leider ganz oft das Gleiche:

Sobald der kleine Prinz eine Freundin hat oder sogar heiraten will, kommen Mütter, Schwestern und sogar auch Tanten daher um alles zu kontrollieren, die Schwiegertochter einzuschüchtern oder sogar die Beziehung oder Heirat zu zerstören. Egal ob das Gerüchte, Lügen, krankhafte Besitzergreifungen, Misshandlungen oder in wenigen Fällen auch versuchte Flüche sind, von Seiten der Schwiegermütter in Marokko ist wirklich alles möglich. Ob ihr es glaubt oder nicht, es kann für marokkanische oder auch ausländische Mädels ganz schlimm werden. Speziell, wenn man öfters persönlichen Kontakt hat. Diese psychische Tortur durch die sie ganz alleine müssen, denn meistens steht ihr Freund/Mann zwischen 2 Stühlen, kann extrem schlimm werden. Leider schafft er es aber oft nicht seiner Mutter mit Kritik zu begegnen und so scheitern ganz viele Ehen und Beziehungen… Auch noch im 20. Jahrhundert, jetzt, heute, bringen sich etliche Mädchen im Haus der Schwiegereltern oder sonst wo um, da sie keinen Halt mehr haben. Sobald sie den Mund aufmachen, wird sich beschwert und man ruft zum Teil ihre Eltern an, um sich dort zu beklagen, was für eine Tochter sie ihnen ins Haus schickten…

Wir Europäer

Es gibt ja auch viele Europäerinnen, die hier oder in anderen muslimischen Ländern geheiratet haben, aber in Europa bei sich Zuhause leben, also weit von seiner Familie entfernt. In der Regel trafen sie ihre Männer auch im Urlaub, im Tourismus, bereits in Europa oder dort wo seine Familie nicht anwesend war, weiter weg lebte. Wenn man sie fragt, sehen sie solche Probleme oft gar nicht oder können akute Warnsignale ihrer Schwiegermütter in Marokko gar nicht erkennen, weil sie einfach zu wenig von der Tradition und Kultur hier in den Familien wissen, wo sie ja nicht mal was für können! Und wieso? Weil sie meist die Sprache nicht verstehen können, ihr Mann ihnen sowieso so etwas in der Art nicht erzählen würde, um sie nicht zu enttäuschen, weil sie nie wirklich länger als 6 Monate mit der Schwiegermama zusammenlebten und ganz wichtig: So ein Ausmaß an mütterlicher Eifersucht und Hass ihr gegenüber kann sie sich im Traum nicht vorstellen. Das einen die Schwiegermutter nett anlächelt, Tee kocht oder Kekse backt, heißt nicht das sie über die Beziehung ihres Sohnes sehr glücklich ist. Es geht ihr nur über den Respekt ihm gegenüber, sonst nichts. Dazu kommt auch noch, dass einige sehr religiöse Schwiegermütter denken, dass ihr Sohn irgendwann sowieso ein reines, jungfräuliches muslimisches Mädchen heiraten wird. So eine Art Trost für sie, egal ob es passieren wird oder nicht.

Auch steht der finanzielle Aspekt hier sehr hoch im Raum… Denn solange Unterstützung aus Europa kommt, ist alles akzeptabel, speziell bei ärmeren Familien. Die, die mehr Geld hier haben, interessiert auch die Unterstützung nicht. Aber trotzdem bleibt die mütterliche Kontrolle bestehen.

Es gibt sogar viele Fälle in denen das marokkanisch-europäische Paar hier in Marokko eine Wohnung oder gar ein Haus kaufte/baute. Da sie aber in Europa arbeiten müssen, kommen sie nur in den Ferien her. Der Schlüssel wird aus Vertrauen jemandem der Familie gegeben, falls mal was sein sollte und damit man sorgenfrei schlafen kann. Und was passiert? Das Objekt wird hinterm Rücken benutzt, beschlagnahmt und zum Teil sogar vermietet! Und das von der eigenen Familie… Sobald das Paar dann anreist, wird alles geputzt und so hergerichtet wie es beim letzten Urlaub verlassen wurde. Könnt ihr euch vorstellen hinterm Rücken nur als Gelddruckmaschine oder Sprungbrett in die Absicherung gesehen zu werden?

Mir wäre nie in den Sinn gekommen mich hier aufzutrumpfen, nur weil ich aus einem reicheren Land mit Sicherheiten komme. Ich wollte einfach nur eine schöne Beziehung und Ehe mit meinem Mann führen. Aber letztendlich merkte ich schnell hier nicht 2000 km hergekommen zu sein, um seiner 46-jährigen Mutter, die natürlich nicht arbeiten möchte, den Hof zu machen. Auch mein Mann wollte das nicht. Mal hier und da kleine Aufmerksamkeiten oder wenn Möbel gebraucht wurden bekamen sie was von unseren, aber Bargeld gab es von uns nie. Ich persönlich bin da klar der Meinung, dass man die Hand, die hilft einen zu füttern nicht beißen sollte. So hab ich es meiner dann mal übersetzen lassen, als sie ebenfalls anfing hinter unserem Rücken zu wettern. Mein Mann musste sie dann mal 6 Monate ignorieren, um ihr zu zeigen, dass der Hase so nicht läuft. Seitdem respektiert sie mich oder sagen wir, scheint es zu tun. Wenn sie alle paar Wochen/Monate mal zu Besuch kommt, sitzt sie ganz brav da und ist super lieb, zieht nicht mehr dieses grimmige Gesicht wie früher… Aber letztendlich hab ich wohl mit dieser Art von Schwiegermutter noch Glück gehabt, es hätte mich schlimmer erwischen können!

Und bevor ich mit dem eigentlichen Thema anfange, ist es mir auch noch sehr wichtig zu äußern, dass ich mir schon fast sicher bin, so einige Prinzen mit diesem Blog zu verärgern, oder generell Menschen die nicht meiner Meinung sind. Aber das macht mir gar nichts, denn ich weiß, dass sie da nicht mal was für können und oft die Realität nicht sehen möchten oder wollen. Sie sind ja auch unter so extremen familiären Umständen aufgewachsen, dass sowas alles ganz normal für sie ist. Und zum Glück können wir ja alle frei unsere Meinung äußern.

Aber wieso ist das so?

Ich hab mir mal darüber Gedanken gemacht, wieso das so sein kann und warum sich die Prinzen dagegen auf keinen Fall, oder sagen wir eher in den meisten Fällen, nicht währen können… Warum lassen sie ihre Freundin oder sogar Ehefrau samt gemeinsamen Kindern im Stich, nur weil diese Beziehung bei Mama nicht gern gesehen ist?

Meine eigene These hierzu ist folgend:

Damals, sogar bis noch vor ein paar Jahrzehnten, heirateten viele Menschen nicht aus Liebe, sondern eher aus Sicherheit oder gesellschaftlichen Gründen. Viele junge Mädels wollten einfach von Zuhause weg und unter den Leuten war es auch einfach nicht üblich, dass eine Frau nicht heiratete. Ab 27 hätte sie dann sowieso keinen Mann mehr bekommen und zu Hause bleiben müssen, natürlich zur Missgunst ihrer Eltern. Die meisten hatten ja keine vernünftige Ausbildung oder nicht mal einen Schulabschluss, geschweige ein Uni-Diplom, wie hätten sie so alleine leben sollen? Und von der Idee als alleinstehende Frau vor sogar noch 10 Jahren eine eigene Wohnung zu bekommen, brauchen wir gar nicht anfangen… Selbst nicht in den moderneren Städten wie Casablanka, Marrakesch oder Rabat. Vom Lande brauchen wir hier nicht sprechen.

Also heiratete man! Und wenn die Liebe nicht wie versprochen eintraf, dann hatte man ja noch seine Kinder. Meistens die Söhne, da die Töchter mehr am Vater hängen und er an ihnen. Und da man nicht will, dass der kleine Sohn egal in welchem Alter er doch ist, einen verlässt, bindet man ihn so stark an sich, das er nicht von einem weg möchte, oder immer ein schlechtes Gewissen hat. Wenig Regeln, wenig Aufgaben daheim, keine wirklich bösen Worte ihm gegenüber und immer Toleranz und Vergebung, egal was passiert. Die arme Mutter die ja nur ihn hat… Eigentlich sehr traurig, wenn man mal überlegt das diese Frauen nie wirklich genügend Aufmerksamkeit hatten. Damals zu Hause bei ihrer Mutter nicht und von ihrem Mann oft auch zu wenig.

Sein Leben lang respektiert der Sohn seine Mutter mehr als alle andere. Wie vom Koran vorgesagt, deine Mutter, deine Mutter, deine Mutter und dann dein Vater. Wenn er sich dann verliebt, in ein Mädchen aus der Schule oder dem Freundeskreis ist alles noch nicht so schlimm. Erst sobald die Hochzeit geplant wird, dann bemerkt er anhand der Unruhe um ihn herum, dass seine Mutter irgendwie traurig ist, Angst hat ihn zu verlieren. Dies baut ihm dann noch mehr von diesem schlechten Gewissen ein, welches er ja sowieso schon hat. Viele der Jungs stellen sich dann auch die ernsthafte Frage: Sie oder meine Mutter? Um beiden gerecht zu werden, wird die Mama dann aber mit noch mehr Liebe und Zuneigung beschüttet, damit sie die neue Frau akzeptiert. Das diese neue Frau aber drunter leidet, dass wollen die Männer nicht sehen. Sie wollen davon auch nichts hören. Wenn man mich fragt, weil sie genau wissen das ihre Frau drunter leidet, was sie aber nicht extra noch bestätigt bekommen wollen.

Auf dem Lande, oft bei den Berbern und Nomaden, egal ob in den Bergen oder der Sahara, ist es bis heute ganz normal das Familien alle zusammen leben oder direkt in der Nähe voneinander. Auch wenn es weiter weg sein sollte, muss die Schwiegertochter täglich auf Besuch von einem Familienmitglied vorbereitet sein. Dann heißt es Wäsche waschen, kochen, bedienen. Und egal wie gewohnt sie dieses Sozialleben schon von klein auf sind, man kann mir nicht erzählen das so ein Dienstmädchen-Leben das ist, was sie sich vorstellten. Jeder hat das Recht glücklich zu sein, Ruhe und Frieden zu genießen und ganz wichtig: Privatsphäre zu haben…

Oft hab ich sowas mitbekommen, entweder auf Touren oder manchmal auch bei den Frauen aus der Familie meines Mannes. Ich hab den Kummer und Schmerz in den Gesichtern dieser jungen Dinger gesehen. Keine Privatsphäre, kein Recht auf eine eigene Meinung oder mit Mann und Kindern alleine zu leben. Egal wann die Mutter es will, muss sie erstmal 1000 km heran gekarrt werden, bleibt wochenlang und macht sich im Haus breit. Denkt nicht das hier die eigentliche Frau des Hauses mal danach gefragt wird. Schrecklich!

Noch eine andere, sehr bittere Geschichte ist die während oder nach den Geburten von Babys. Jetzt mal ganz ehrlich, welche Frau möchte während der Geburt oder danach umsiedelt von zig Familienmitgliedern sein? Von der Ankunft im Krankenhaus an wird keiner Frau wirklich mal etwas Ruhe gegeben, alle müssen mit dabei sein, um den Neuling zu empfangen. Und das ohne Verluste. Auch die Tage danach, im Krankenzimmer, tummeln sich zwischen 8 Uhr morgens und 22 Uhr abends Schwiegermutter und Co., geben der jungen Mutter und auch ihrem Baby keine Chance auf etwas Ruhe! Es wird gegessen, laut geredet, telefoniert und das am liebsten noch bei offener Tür. Ich hab das selbst in der gynäkologischen Privatklinik in Marrakesch erlebt und will gar nicht wissen, wie schlimm es in den städtischen sein muss. Als Frau hat man hier einfach zu wenig Rechte und keinen interessiert wie es einem geht, wie man sich fühlt!

Hier mal ein kleiner Auszug aus dem Leben einer jungen Marokkanerin:

Ich habe vor etwa zehn Jahren geheiratet und habe zwei Kinder. Ich lebe zusammen mit meinen Schwiegereltern, seit ich geheiratet habe. Ich begann mein Eheleben in der Hoffnung, dass wir eine Familie aufbauen und dass sie mich wie ihre Tochter behandeln und ich das gleiche tun werde. Aber die Beziehung zu ihnen wurde zu einem “friedlichen Zusammenleben”, wir können miteinander sprechen, solange sie mich nicht kritisieren. Ich vermisse wirklich das Gefühl, geliebt zu sein, besonders wenn ich krank oder müde bin. Ich habe nicht das Gefühl, dass sie sich um meine Gesundheit kümmert, wie es eine Mutter tut. Wenn ich müde werde, fragt sie nicht, wie ich mich fühle oder ob ich mich besser fühle, also sage ich einfach nicht, dass ich sehr müde bin. Manchmal gibt sie mir das Gefühl, als würde ich nur schauspielern oder vorgeben, krank zu sein und das tut mir wirklich weh. Deshalb bitte ich auch nicht drum, mich auszuruhen, während sie dem putzen und kochen nachkommt.

Was mich betrifft, so kritisiert sie mich vor allem in letzter Zeit sehr. Manchmal benutzt sie auch wirklich verletzende Worte vor meinen Kindern. All die Jahre bin ich nur geduldig, ich habe kein Wort gegen irgendetwas gesagt nur Respekt ihr gegenüber gehabt und die Zufriedenheit meines Mannes gesucht.

Aber jetzt habe ich das Gefühl, dass ich das alles nicht mehr tolerieren kann. All das hat extrem meine Gesundheit beeinträchtigt und mich ebenfalls sehr nervös gegenüber meinen Kindern gemacht. Für mich ist dies der einzige Ausweg, um meine Wut rauszulassen. Ich versuche mein Bestes, um dies zu stoppen oder zu vermeiden, aber ich kann es nicht. Ich habe nicht mal das Gefühl, dass ich mein privates Eheleben habe. Es gibt keine Zeit, mit meinem Mann allein zu sein, da ich immer mit ihr zusammen sitze und rede, damit sie sich nicht einsam fühlt.

Ich verbringe auch keine Zeit mit meinen Kindern, sie sind 9 und 6 Jahre alt. Ich habe kein zu Hause, in dem ich frei bin. Ich muss sie um Erlaubnis bitten, bevor ich etwas tue. Sie denkt, ich habe in keiner Angelegenheit ein Mitspracherecht und wäre zu nichts imstande. Was soll ich machen? Ich fühle mich nicht zu Hause, ich fühle mich wie ein Gast, der vorsichtig sein muss, was er tut.

Ich habe darüber mit meinem Mann gesprochen. Er sagte, dass sie halt so sei und das nicht nur mit uns. Er sagte, ich solle es nicht psychisch an mich heranlassen und mich noch mehr damit belasten. Um ehrlich zu sein, konnte ich seine Theorie überhaupt nicht verstehen oder damit umgehen.

Aisha

Das ist so meine These, die ich in den letzten 4-5 Jahren hier aus eigenen Erfahrungen und Geschichten von anderen aufgestellt habe.

Die Beziehung zwischen den Familienangehörigen im Islam

Ich denke, dass auch der Islam hier eine wichtige Rolle mit spielt. Warum? Weil zu viele ihn einfach in vielen Dingen falsch ausleben, falsch interpretieren und sich das rauspicken und so zusammensetzen wie es ihnen passt. Ja, er ist in vielen Teilen nicht friedlich, genauso wie auch die Bibel und andere religiöse Schriften es hervorheben. Aber was er auf jeden Fall nicht tut, ist den Männern aufzutragen ALLES für ihre Eltern zu tun. Du sollst respektvoll und freundlich sein, was aber nicht bedeutet, dass du deine Ehefrau wegen deiner Eltern schlecht behandeln sollst! Dies steht in keinem Vers des Korans geschrieben. Auch nicht das du deine Frau schlecht behandeln sollst, auch das steht dort nicht! Männer, die das tun, sind entweder falsch informiert oder leben eine eigene Lüge.

Zum gleichen Thema hab ich mal ein sehr schönes Erklär-Video eines Imams für euch. Auch wenns in Englisch ist, fand ich es persönlich, auch ohne dem Islam anzugehören, ganz toll zu sehen, dass jemand mit so viel gesellschaftlichem Respekt anderen muslimischen Männern den Weg des Islams erklärt.

Ich persönlich bin keine Muslimin und werde/würde auch nicht zum Islam konvertieren, egal ob ich mit einem Marokkaner zusammen bin oder nicht. Dazu fühle ich mich mit der Religion einfach zu wenig verbunden. Und was hier ganz wichtig ist zu betonen, nicht jeder Marokkaner ist gleich gläubig, egal wo er lebt. Trotzdem ist es mir als Europäerin hier in Marokko wichtig, mal zu erklären was der Koran eigentlich wirklich sagt. Denn anscheinend wissen das so viele Männer und Frauen nämlich nicht… Einige werden jetzt denken, ach, sie denkt sie hätte die Weisheit mit Löffeln gefressen. Nicht ganz, ich hab mich nur erkundigt und aufmerksam an den richtigen Stellen recherchiert.

Auch bin ich mir hier auch schon sehr sicher, dass viele Männer im Zwiespalt zwischen ihrem von ihnen geforderten Glauben und dem Drang nach eigenen Entscheidungen stehen. Frauen natürlich auch! Aber was soll man in einem Land machen, dass einem aufzwingt, an was man glauben soll? Oder in einer Gesellschaft in der man ohne Ruhm und dickes Bankkonto aber ohne religiösen Hintergrund nicht überleben könnte. Auch wenn es mittlerweile erlaubt wäre, zu einer anderen Religion zu konvertieren, würden dies die wenigsten tun.

Die weiblichen Verwandten

Hier in Marokko trägt man in fast jedem Aspekt seines Lebens kulturelle Traditionen und Praktiken mit sich, um sich Lebenssituationen so gut es geht stellen zu können. Aber einige dieser Traditionen haben zerstörerische Auswirkungen, wie Situationen die ich euch gerne hier im Blog mal näher beschreiben möchte.

Sobald sich hier ein Mann zum Beispiel auf seine bevorstehende Heirat mit einer Marokkanerin vorbereitet, fangen viele seiner weiblichen Verwandten, einschließlich der Mutter, dass recherchieren an. Und zwar nach Details über die neue Frau an der Seite des Sohnes. Egal wo, zu Hause, im Hammam, an der Ecke der Gasse oder beim Bäcker. Man versucht etwas herauszubekommen. Natürlich ist es ganz normal neugierig zu sein und speziell Männer sind ja nicht gerade die Besten im Informationen herausgeben. Also fragt man einfach mal rum, was ja auch gar nicht allzu schlimm ist. Unerträglich kann es jedoch werden, wenn das Ausmaß der Recherche außer Kontrolle gerät und den eigentlich sehr glücklichen Verlobten den ersten schlechten Beigeschmack der zukünftigen Ehe verpasst. Er kann seinen Schwestern und Cousinen zwar den Weg weisen, aber bei Tanten und insbesondere Mama sieht er es gar nicht so tragisch. Oder wie ich schon mal sagte, will es einfach nicht sehen, denn seine Mutter würde so etwas Böses ja nie tun! Überraschenderweise fühlen sich marokkanische Mütter glücklicher, wenn sie sehen, dass ihre Töchter heiraten, als wenn ihre Söhne diesen großen Schritt gehen.

Viele Mütter haben Angst davor, dass die neue Frau das Herz ihres Sohnes erobern könnte, obwohl das ja eigentlich schon stattgefunden haben muss, sonst würde ja keine Heirat im Raum stehen. Auch wird sie von anderen weiblichen Verwandten davor gewarnt, dass die neue Frau ihren Sohn in ihren Bann zieht und somit ihr Leben zerstört. Speziell Tanten, also die Schwestern der Mutter, sind in solchen Spielchen ganz begabt. Anstatt dem Brautpaar bei den Papieren zu helfen und ihnen beizustehen, wird nur getratscht und eine miese Stimmung verbreitet. Das ist nicht überall so, speziell nicht da wo etwas Bildung in den Familien steckt, aber für viele Marokkaner ganz normal. So normal, dass die Männer es gar nicht mehr bedrohlich sehen.

Mein Mann sagte zu mir, als wir zusammenkamen, dass ich bitte nicht auf böses Getratsche seiner Familie hören soll. Er würde sich drum kümmern… Es gab mir schon ein komisches Gefühl, aber was genau da auf mich zu kam, wusste ich da noch nicht, hätte es mir im Traum nicht ausmalen können. Ich hatte zwar schon so einige extreme Geschichten von anderen gehört, aber das es mich mal betreffen und ich dieses Mal auf der familiären Abschussliste stehen sollte, war mir nicht bewusst!

” Einmal verheiratet, wird sich dein Sohn nicht mehr so um dich kümmern, wie er es früher gemacht hat”, erzählen einige Frauen der Mutter. Auf diese eine oder andere Weise der abscheulichen Manipulation entwickeln viele marokkanische Mütter eine vorab voreingestellte Abneigung ihrer zukünftigen Schwiegertochter gegenüber. Leider war dies nicht nur früher so, denn auch noch heutzutage wird diese Art von Hass, der Familien spaltet, immer mehr verbreitet.

Die Fremde, die Bedrohung

Oft fragen Mütter ihre Söhne: “Du musst warten, warum hast du es denn nur so eilig mit der Ehe?” Zweifellos ist die Liebe der Mutter hier wohl unersetzlich und die meisten nehmen das für selbstverständlich. Was es aber nicht ist und auf keinen Fall sein sollte. Auf der anderen Seite fragt man sich ja aber, warum Mütter ihren Töchtern nicht dasselbe sagen. “Du solltest so schnell wie möglich heiraten!”, heißt es hier… Komisch, oder?

Nun ja, Töchter heiraten nun mal Männer und Söhne Frauen. Mit anderen Worten, wenn Frauen die Fremden in der Familie sind, fühlen sich viele Mütter bedroht. Aber wenn Männer die Fremden sind, fühlen Mütter sich gut. Warum?! Weil sie wissen, dass er sie mehr respektieren wird und sich eventuell nicht wehrt? Oder weil sie auch ihn besser kontrollieren kann, da sie ja seine neue 2. Mutter ist und er sich ihr gegenüber ebenfalls nicht widersetzen würde? In den Augen mancher Mütter ist ein Mann ein reiner Segen für die Familie, während eine Frau eine akute Bedrohung darstellt.

Sogar in einem muslimischen Haus betrachtet der Islam eine Frau niemals als Bedrohung für die Mutter oder eine Mutter als Bedrohung für die Frau. Aber trotzdem haben sich etliche Paare wegen ihrer Eltern getrennt. Ganz oft auch wegen eines Streits zwischen der Mutter und der Frau sogar scheiden lassen. Denn wenn es nach ganz vielen Männern geht, halten sie sich brav raus, auch wenn die Mutter unrecht tut. Könnt ihr euch vorstellen, wie man sich da als Frau fühlen muss, wenn der eigene Mann nicht zu einem steht, eher der Mutter glaubt und einen einfach so ignoriert?

Mal ein etwas anderer Marokkaner

Als ich nach Marokko kam, traf ich viele Europäer und sehr moderne Marokkaner die mir gute Tipps zum Leben hier in Marokko gaben. Einer davon, war der von Hassan. Hassan war in meinem Alter, damals 28, Marokkaner aus dem Süden Marokkos und hatte ein Riad in der Medina Marrakeschs. Ich traf ihn in der Sprachschule, die ich damals hatte, denn er wollte schnell holländisch lernen, da seine Freundin aus Holland kam und die beiden mittlerweile eine gemeinsame Tochter von 3 Wochen hatten. Schnell bemerkte ich, wie modern und offen er von seiner Denkweise her war.

Obwohl es in Marokko verboten ist, unehelich zusammenzuleben oder gar ein Kind zu bekommen, interessierte ihn das nicht wirklich. Er lebte hier so, wie er es wollte und keiner konnte ihm was. Ich fand das super, denn bisher traf ich nur Marokkaner, die entweder zu religiös und sehr verbissen darin waren, oder die, die meinten religiös zu sein, aber ein sehr scheinheiliges Leben führten. Hassan war nicht so. Er war ehrlich, offen, nicht religiös und gab mir einen Rat, den ich bis heute gut befolge:

“Solltest du jemals eine Beziehung mit einem Marokkaner geraten, dann halte dich von der Familie fern so gut wie du kannst. Ansonsten sitzen sie in eurer Privatsphäre, wollen alles wissen, kontrollieren und spielen böse Spielchen. Nicht die Männer, die sind froh wenn sie ihre Ruhe haben, aber die Frauen. Das was hier in der marokkanischen Gesellschaft passiert, hat nichts mit Nächstenliebe und jemandem etwas gönnen zu tun. “

Auch in seiner Region, aus der er stammte, war es normal das die Mütter, Schwestern und Tanten ein großes Auge auf die Frauen ihrer männlichen Familienmitglieder legten. Damals ging ihm das schon gegen den Strich und war auch ein Grund, wieso er weit weg nach Marrakesch zog. Er konnte so nicht mehr leben. Aber auch seine Mutter versuchte seine Beziehung mit der Holländerin zu zerstören. Schickte sogar nachts die Polizei zum Riad, mit dem Risiko das ihr Sohn ins Gefängnis ginge. Und das nur, weil sie es nicht ertragen konnte das er sein eigenes Leben führte. Seitdem brach er den Kontakt ab und lebt glücklich mit seiner Familie zwischen Marokko und Holland. Ohne Stress und Probleme. Achja, und mit einer glücklichen Ehefrau!

Leider findet man solche Männer nur ganz ganz selten! Ich habe bis jetzt vielleicht 2 oder 3 dieser Art zu meinen Freunden zählen können. Denn mit den anderen kann ich nicht viel anfangen. Respekt, Achtung und Aufrichtigkeit sind mir in all meinen Kontakten sehr wichtig, aber leider ist dies hier schwer zu finden. Sehr schwierig sogar! Männer die ihre Frauen nicht respektieren können, Hauptsache sie machen der Mutter den Hof, sind für mich keine Leute, die ich zu meinem Bekanntenkreis zählen möchte. Dann heiratet man lieber nicht und hört somit auf, andere unglücklich zu machen!

Hild

Hild war 40 als sie von ihrem Heimatland Norwegen samt 4 Kindern und ihrem marokkanischen Ehemann hier nach Marokko kam. Die beiden lernten sich vor 20 Jahren an der Uni in Oslo kennen, verliebten sich, heirateten 2 Jahre später und bauten ein Haus. Sie bekamen ihre Kids, hatten beide super Jobs und waren glücklich. Ihr Mann war zu Hause in Marokko der Zweitälteste. Als sein großer Bruder plötzlich starb und ihr Mann sich um die Familie in Marokko kümmern musste, entschlossen sie sich ihr Haus in Norwegen zu verkaufen und nach Marokko zu ziehen. Mit den Kids und dem Geld sich was Neues aufzubauen. Die Kinder waren schon ein paar Mal alle 2 Jahre in Oujda, um die Familie dort zu besuchen. Auch Hild kannte jeder und man hatte nie Probleme. Einmal im Monat telefonierte man mal, denn auch die Sprachbarrikaden waren sehr hoch. Plan war, dass sie sich ein neues Haus in der Nähe Casablankas bauten, die Kinder sollten zur internationalen Schule gehen und beruflich wollten sie sich selbstständig machen.

Aber nichts da. Seine Mutter bestand darauf, dass sie mit ihr ins gleiche Haus zogen. 6 Monate später reichte ihr Mann die Scheidung ein, um seine Cousine die ja immer noch unverheiratet war, zur Frau zu nehmen. Schließlich wartete diese ja schon 20 Jahre lang auf ihn!! Auch die Kinder wollte er nicht ausreisen und zu ihrer Mutter lassen, bis dies zum höchsten Gericht ging. Und warum?! Weil Hild sich gegen die Fittiche der Mutter stellte. Denn diese war der Meinung das er sie jahrelang vernachlässigt hätte. Und aus dem gestandenen 40-jährigen wurde ein winzig kleiner Prinz der seiner Mutter nicht standhalten konnte. Die Familie war zerstört, zurück in Norwegen hatten sie nichts mehr und mussten bei Null anfangen. Kann man sich sowas vorstellen?!


Also wie ihr seht, geht auch hier in Marokko nicht immer alles so harmonisch zu, wie man vielleicht denkt. Klar, auch in Deutschland haben wir soziale Schwierigkeiten in Familien. Aber wenn es überhand schlägt so wie hier bei so einigen Schwiegermüttern in Marokko, find ich das schon übel.

Ich denke speziell die Frauen der Berber, der Amazigh, haben die Familien mehr unter Kontrolle als man so denkt. Speziell ihre Söhne! Klar, sie rackern hart ab Zeitpunkt ihrer Heirat und müssen ihren Frust dann ja irgendwo rauslassen. In diesem Fall dann an ihren Schwiegertöchtern. Sie haben es ja selbst so erlebt, aber muss man es dann genauso weitergeben?Aber vielleicht ist das ja der einzige Weg für sie, ihre eigene innere Unzufriedenheit rauszulassen…

4 Comments

  • Kasia Oberdorf

    Hallo Nadine, das liest sich alles sehr krass, bestätigt aber eigentlich nur, was ich so von Freundinnen gehört habe. Ihr Familienleben besteht größtenteils aus Klatsch, Tratsch und Intrigen. Ich glaube, das können sich die meisten gar nicht vorstellen…

    • Fobo2019

      Hi Kasia!

      Als ich das erste Mal von sowas hörte, konnte ich es mir auch überhaupt nicht vorstellen und dachte die Frau die es mir aus eigenen Erfahrungen erzählte, würde übertreiben… Aber dann nach mehreren Stories die ich hautnah mitbekam und als ich selbst auf der Schusslinie stehen sollte, wusste ich das es nicht alles nur ein Film ist. Und genau, wie du schon sagst, Intrigen, Tratsch und nur Gerede… Und das nicht nur zu Hause! Ich musste meine 2 Haushaltshelferinnen im alten Riad voneinander auf 2 verschiedenen Etagen trennen, da sie ansonsten nur zusammen auf dem Bett hockten und blabberten… Und meistens gings da auch nur um familiäre Dinge und andere Frauen…

      Heute distanziere ich mich davon extrem, sonst würde ich wahnsinnig werden!

    • Fobo2019

      Vielen lieben Dank, Thomas!

      ich denke einfach das mich meine Jahre hier sehr vieles gelehrt haben. Es ist wild, zauberhaft und besser als ein Soziologie-Studium!
      Am Ende leider etwas zu oft mega krass, aber so ist es nun mal. So ist Marokko…

      Dir auch weiterhin alles Gute!

      Nadine

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.