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Hammams in Marokko

Das erste Mal, als ich damals mit einer Freundin hier in Marrakesch in ein “Touristen-Hammam” ging, fühlte ich mich, wie ein kleines Mädchen, dass von seiner Mutter gewaschen wurde! Es war für mich zwar etwas komisch, mich so ganz zu entblößen und mich von einer wildfremden Frau anfassen zu lassen aber am Ende war es auf jeden Fall ein einzigartiges Erlebnis! Zwischendurch hat man immer wieder Zeiten zum Relaxen und im Großen und Ganzen war es eine tolle Erfahrung! So Hammams in Marokko sind auf jeden Fall einen Besuch wert!

Und da ich immer öfters E-Mails und Anfragen von Gästen bekomme, die gerne mal in ein orientalisches Hammam gehen möchten, dachte ich mir das ich euch hier mal alles Wissenswerte im neuen Blog Artikel mitgebe!

Denn dieses Ritual hat nicht nur etwas mit Entspannung und Spiritualität zu tun, da steckt noch so einiges mehr hinter!

In Marokko und am meisten noch in Marrakesch, gibt es soo viele wunderschöne orientalische Hammams die von den Riads, Hotels und generell im Bereich Tourismus angeboten werden. Aber auch die Einheimischen sind es gewohnt ins Hammam zu gehen. Manche sogar wöchentlich, andere 1-2 Mal im Monat. Denn daher kommt es ja auch, von den Einheimischen, die früher gar keine Dusche Daheim hatten. Im Hammam hatten sie die Möglichkeit ihre Haut zu reinigen, sich zu waschen und es war zudem auch ein gesellschaftlicher Treffpunkt, speziell für die Frauen die ja sonst nie wirklich aus ihren Häusern herauskamen.

Mir erzählte mal eine ältere marokkanische Dame, dass Hammams zum Beispiel auch von den Müttern dazu benutzt wurden, um die richtige Ehefrau für ihre Söhne auszuwählen. Gut bestückt und nicht zu dürr sollten sie sein damit sie auch Zuhause gut mit anpacken konnten und um Kinder zu bekommen, eher ruhig im Wesen und natürlich sollte sie samt Familie einen guten Ruf in der Nachbarschaft haben.

Aber auch Klatsch und Tratsch, wie es bei unseren Großmüttern jede Woche bei Kaffee und Kuchen so üblich ist, ist auch hier immer noch ganz normal.

Die Geschichte des Hammams in Marrakesch

Obwohl das Hammam schon bereits in der Geschichte des 7. Jahrhundert auftaucht, führt seine Tradition doch auf die römische Zeit in der christlichen Zivilisation zurück. Das Römische Reich, das sich ums Mittelmeer herumbefand, hatte viele Bäder, die sogenannten “Thermae”. Die Menschen drum herum, beherrschten die hydraulischen Technologien von der Wasserversorgung, Lagerung, des Heizens bis zum Abbau perfekt.

Später, im 7. Jahrhundert n. Chr., mit der Eroberung der Araber Syriens und Alexandrias (642 n. Chr.) an der Mittelmeerküste Ägyptens, wurde die muslimische Religion geboren. Ihr starker Einfluss erstreckte sich bis ins osmanische Reich, in die Maghreb Staaten und sogar in den nahen Osten, was zur Erschaffung maurischer Bäder (bezogen auf “Al Andalous” Muslimisches Spanien) oder auch zu türkischen Dampfbädern führte. Eine Anekdote erzählt, dass die Manuskripte der Bibliothek von Alexandria während ihrer Zerstörung verbrannt wurden, um das Hammam damit zu heizen. Im Arabischen bedeutet “Hammam” heißes Wasser oder auch Badezimmer. Es ist ein Dampfbad, mit dem das Kaltwasserbad der typisch römischen Thermalbäder endgültig verschwand, weil es als ungeeignet galt. Muslime ziehen es vor, sich mit fließendem Wasser zu waschen und sich Verunreinigungen abzuspülen.

Hamams in Marokko
Der arabische Raum

Die Architektur von Bädern und Hammams

Die Römer benutzten damals schon eine ausgeklügelte Fußbodenheizung namens Hypokaust.

Die Überreste dieses Systems stammen aus der griechischen Zeit sowie auch noch aus der Antike, fast 2000 Jahre vor der christlichen Ära. Aber letztendlich waren es die Römer, die diese Technik aufgrund ihres intensiven Fleißes stark verbesserten. Der Hypokaust entspricht einem Netzwerk das sich im Keller des Hammams oder einem Haus, dass aus Galerien oder Rohren besteht, befindet. Dort wird die heiße Luft dann zirkuliert und eine Beheizung der Räume oder der Böden in den Becken der Thermalbäder wird ermöglicht. Der Boden bestand aus Platten, die auf 60 und 120 cm hohen Säulen lagen.

Hamams in Marokko
So funktionierte das Hypokaust-System

Die Dicke des Bodens, die lange erhitzt werden musste, ermöglichte es, die Wärme zu speichern. Zum Heizprozess gehörte auch ein Kamin im Freien, oft am Eingang des Gebäudes, der durch eine Öffnung mit Holz angefeuert wurde. Eine weitere Öffnung ermöglichte die Übertragung des Rauchs und damit der Wärme in Richtung Hypokaust. Die Wände wurden ebenfalls verdoppelt, sodass die warme Luft auch gut um die Räume zirkulieren konnte. Der Kamin befindet sich in der Nähe des heißesten Zimmers und breitete somit seine Wärme auf die anderen Zimmer aus. (Wenn man heute richtig hinschaut, sind die meisten traditionellen Hammams der Einheimischen immer direkt neben einer Bäckerei platziert. Man teilt sich Feuer und Wärme.)

Das Dampfbad an sich bestand aus mehreren Zimmern, die je nach Entfernung vom Kamin immer wärmer wurden. Der Rauch wurde von der anderen Seite des Gebäudes durch einen oder mehrere Schornsteine evakuiert. Die Temperatur eines Raumes konnte 30 oder sogar 50 Grad zusammen mit den Heizwänden erreichen.

Der Farnatchi

Der Farnatchi war der Verantwortliche für die Erwärmung des Wassers und versorgte das Hammam mit Holz oder Sägemehl. Bei schwarzem Rauch und sehr hohen Temperaturen waren die Arbeitsbedingungen aber natürlich sehr schwierig. Heute bringen die benachbarten Riads oder die Menschen aus der Nachbarschaft ihre Mahlzeiten in den Ofen, damit sie in die Glut des Hammam-Ofens gelegt werden können. In Marrakesch ist das typische Gericht Tanjia, das 4 Stunden in einer Amphore kochen muss. Die Meisten bringen es in ein Hamam, denn da ist es heiß genug und es schmeckt am Ende super lecker!

Aber um die Umwelt etwas mehr zu schützen und die Menge an Brennholz und Kosten zu reduzieren, modernisierten sich bereits ein paar Hammams. Es wurde eine Technologie zur Erhitzung von Hammams durch den Boden und über Solar entwickelt. Diese Biowasserkesseltechnologie wird mit Olivenkernbrennstoff betrieben und kann an sonnigen Tagen zu 100% mit Sonnenenergie beheizt werden.

Unterschiede der Hammams in verschiedenen Ländern

In der Römerzeit hatte das Hammam in der Regel 3 Zimmer: das “Frigidarium” mit 20 Grad, das Zurrestbare, also das “Tepidarium” mit 32 Grad, perfekt für Pflege und Massage und das “Caldarium” mit 40 Grad und sogar noch mehr. Das Caldarium diente bestens dazu, dass man vor der Pflege genügend schwitzte und ebenfalls einen Ort hatte, an dem sich der Dampfnebel befand. Das Laconicum war ein kreisförmiger Raum ohne Pool und mit einer kuppelförmigen Decke wo sich ein Herd befand, um mehr Wärme zu erzeugen. Dieser war aber trocken und sehr verschwitzt.

Hamams in Marokko
Plan eines gewöhnlichen Römerbads

Türkische Hammams haben im Gegensatz zum römischen Bad auch noch die Camekan die Eingangshalle, in der man sich auch umziehen kann. Kann aber auch eine große Gemeinschaftshalle oder ein Zimmer mit privaten Kabinen sein. Zu Beginn bekommt man hier ein Handtuch, um seinen Körper zu bedecken und im warmen Raum namens Hararet, fängt man dann an zu schwitzen. In diesem Zimmer befindet sich auch die Gobek Tasi, eine erhöhte Marmorplatte, auf der man dann mit der schwarzen Seife eingecremt wird. Danach wird man mit dem Kese Handschuh abgeschrubbt. Im Sogukluk, einem kalten Raum, relaxt man dann zu schwarzem türkischen Tee.

(Wer schon alles in einem Hammam in der Türkei und in Marokko war, sieht das es eigentlich sehr ähnlich ist.)

Wie auch in den römischen Bädern, bestehen die Hammams Marrakeschs aus mehreren Räumen mit unterschiedlichen Temperaturen: Die Garderobe oder die Empfangsräume werden Al-Maslakh genannt, was auf Arabisch kalt bedeutet. Dann wird das nicht geheizte Badezimmer Barid genannt, das nächste Zimmer mäßig beheizt Wastani und schließlich kommt dann noch das heißeste Zimmer namens Harara, warm auf Arabisch. Die Bäder verschwanden jedoch, weil sie als unrein gelten. Muslime bevorzugen heiße und feuchte Zimmer mit Wasserhähnen und fließendem Wasser.

Was das Hammam mit Religion zu tun hat

Das Hammam in der arabisch-muslimischen Welt veränderte sich nach den Regeln des Islams immer mehr. Mit seinen Prinzipien der Waschungen, d.h. der Reinigung von Körper und Seele vor dem Gebet, ist es laut Koran verpflichtend Hammams aufzusuchen, um sauber zu bleiben. In Ländern des Islams, liegt das Hammam deshalb auch oft neben einer Moschee. Es hat eine starke religiöse Bedeutung, weil der Islam vor jedem der 5 täglichen Gebete Waschungen vorgibt, besonders am Freitag dem heiligen Gebetstag. Hammams sind in muslimischen Ländern noch heute weit verbreitet.

Das Hammam war ursprünglich nur für Männer gedacht, aber wurde dann auch für Frauen zugelassen. Trotzdem sind diese jedoch immer voneinander getrennt und können zu verschiedenen Zeiten am Tag und Abend genutzt werden. Frauen sehen das Hammam als vorteilhaft für die Fruchtbarkeit und als Ort der Spiritualität an. So war es damals auf jeden Fall. Heute wird es, wie schon weiter oben mal beschrieben, zum Reinigen der Haut und zu gesellschaftlichen Treffen untereinander genutzt. Nach Einkommensstand der Menschen, geht man entweder in ein günstiges Hamam für 1-2€ oder in teurere die an die 15-60€ kosten und natürlich moderner ausgestattet sind. In die moderneren Hammams muss man auch nichts weiter als eventuell seine Bikini,- oder Badehose mitbringen. In die traditionelleren dann doch einen kleinen Plastikhocker oder eine Relax Matte, Seife, Duschgel, Badesachen, Handtuch und Eimer samt Trichter zum Wasser schöpfen und sich damit abspülen.

Das Hammam im sozialen Leben

Das Hammam war früher entweder privat oder öffentlich. In der Vergangenheit hatten auch nur wohlhabende Familien ein Dampfbad zu Hause, welches in der Regel nur einen heißen Raum hatte. War es aber für die Öffentlichkeit zugänglich, war es ein beliebter Ort für jeden. Zu dieser Zeit hatten in der Regel nur Reiche und Prominente Zugang zu heißem Wasser in ihren Häusern. Die Warmwasserbereitung erforderte eine lange oder sogar dauerhafte Beheizung eines Kamins, um Heizverlust zu verhindern. Dies bedeutete eine kostspielige und zeitaufwändige laufende Wartung die sich nicht jeder leisten konnte. Ich persönlich sehe private Hammams ganz oft bei den Familien im hohen Atlas. Diese sind ganz klein, aus Lehm gebaut und haben nur Platz für eine Person mit eventuell einem Kind.

Männer und Frauen aus allen Schichten trafen sich dort getrennt voneinander. Auch existierte im Hammam keine soziale Abgrenzung und alle Klassen vermischten sich. Für die Frauen war dieser Ort in der Zeit, in der das Hammam der einzige autorisierte öffentliche Ort war, ein großer Moment des Wohlbefindens und der Flucht aus dem Alltag. Wie schon erwähnt, suchten hier auch Mütter nach zukünftigen Frauen für ihre männlichen Kinder. Soziale Kennungen ermöglichten es, die verschiedenen Familien nach der Farbe des Handtuchs zu erkennen.

Hamams in Marokko
Das Hamam- Ein sozialer Treffpunkt

Das Hammam in 1001er Nacht Geschichte und Literatur

Im Westen galt das Hammam ab der orientalistischen Zeit des 19. Jahrhunderts als magischer oder auch sehr geheimnisvoller Ort. Es weckte das enorme Interesse orientalistischer Künstler und Schriftsteller der Zeit, weil es in der muslimischen Gesellschaft sehr weit fortgeschritten und auch sehr präsent im täglichen Leben war. Aufgrund seiner architektonischen Schönheit und Authentik der einheimischen Lebensweisen war das Hammam eines der orientalistischen Elemente. Genauso Teil der Phantasie wie der Harem, magische Paläste oder wie man es aus anderen orientalischen Geschichten so kannte. In den künstlerischen Arbeiten sind verschiedenen Klassen der Gesellschaft im Hamam anwesend (Sklaven und ihre Herren zum Beispiel…)

Mit Napoleons ägyptischem Feldzug, dann der Weltausstellung von 1867 und schließlich der Eröffnung des Suezkanals 1869 wird der Osten als Welt der Entdeckung, des Reisens und der Exotik in den Köpfen der Menschen bleiben. Im 20. Jahrhundert ist es der Entwicklung von Freizeit und Körperwohl zu verdanken, dass das Hammam seine Popularität behält und sich sogar auf nicht-muslimische Kulturen ausbreitet. Die Vorteile von Warmwasser und Wärme werden auch durch die Medizin immer populärer.

Allerdings nimmt die Zahl der alten, traditionellen Dampfbäder aufgrund der Entwicklung von modernen Badezimmern in den Häusern ab. Es gibt jedoch noch ein paar von ihnen, wo man ganz toll die angestammten Riten der Wärme und des warmen Wassers erleben kann und diese Orte der Entspannung miteinander teilt.

Das heutige, modernere Hammam

Auch heute noch ist das traditionelle Hammam in Marokko speziell in Marrakesch sehr beliebt, wo leider eine kleine Anzahl von Menschen nicht den modernen Komfort von fließendem Wasser oder einem Badezimmer hat.

Die traditionellen Hammams, genannt “Beldi”, sind die öffentlichen Hammams. Jedes hat immer Räume für Männer und einen anderen Teil für Frauen. Andernfalls, wenn das Hammam keine Trennung hat, sind bestimmte Tage oder Tageszeiten für beide Geschlechter reserviert. In der Regel tagsüber für Frauen mit kleinen Kindern und abends für Männer und Teenager.

Das Ritual besteht darin, eine Weile im wärmsten Raum zu bleiben, um das Schwitzen und die Erweiterung der Poren der Haut zu aktivieren, sodass Giftstoffe ausgefiltert werden können. Danach seift man sich mit der schwarzen Olivenseife ein und schrubbt sich später sehr energisch mit dem Kess- Handschuh ab, um alle Verunreinigungen der oberen Hautschicht zu entfernen.

Traditionelle Hamamseife

Also wenn ihr mich fragt, solltet ihr mal unbedingt ein Hammam ausprobieren! Die Überraschung allein, zu sehen was da aus unserer Haut herauskommt, ist es schon wert! Ich hab auch gehört, dass man schon ganz tolle türkische und marokkanische in deutschen Großstädten findet.

Und falls ihr in Marokko oder auch in Marrakesch seid, hier gibt es etliche ganz tolle Touristen-Hammams die in der Regel an die 30€ kosten. Da ist man dann auch alleine oder mit seinem Partner zusammen. Ansonsten könnt ihr auch gerne mal mit uns auf einen traditionellen Hammam-Besuch außerhalb der Medina kommen!

4 Comments

  • Tanja L.

    Spannend mehr über Hammams zu lesen. Ich war noch nie in einem, aber ich habe richtig Lust bekommen, es mal auszuprobiern. Ich werde gleich mal googeln, ob es hier bei Stuttgart eines gibt.

    • Fobo2019

      Hi Tanja!

      Ja, so Hammams haben schon was tolles an sich! Auch die Prozedur der Hautpflege ist echt faszinierend! Ich hab gehört das es in Stuttgart auf jeden Fall eines gibt, vielleicht ja auch bei dir in der Nähe! Ist ja egal ob es marokkanisch oder türkisch ist!

      Viel Spaß!

    • Fobo2019

      Liebe Jaqueline!

      Toll, dass er dir gefallen hat! Das Hammam ist älter als viele denken und hat einen enormen sozialen Aspekt im Leben vieler Muslime 🙂

      Hab einen schönen Abend,

      Nadine

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