Das Leben in Marokko

Juden in Marokko – Ihre Geschichte

Als ich das erste Mal als Touristin herkam und so durch die Medina schlenderte, hätte ich hier an alles andere gedacht wie bunte Basare, Moscheen und verschleierte Frauen. Aber auf jeden Fall nicht an Juden hier in Marokko!

Bis ich durch Zufall in den alten Medina Teil namens Mellah kam, wo Synagoge und der Friedhof liegen. Ein tolles, sehr historisches Erlebnis! Seitdem gehe ich auch gerne noch mit meinen Gästen dorthin denn es ist etwas ganz besonderes!

Aber was genau die Juden hier in Marokko machten und alles andere wichtige dazu, erzähle ich dir hier in meinem Beitrag!

Woher sie kamen…

Marokko hat die größte jüdische Gemeinde Nordafrikas die seit mehr als 2 Tausend Jahren von den vorrömischen Kolonien in Tingitania, Mauretanien stammen. Die Juden hier sind ein Überbleibsel einer alten blühenden Gemeinde, deren Höhepunkt bis Ende der 1950er Jahre bei einer viertel Million Menschen lag. Sogar der Conseil des Communautés Israélites du Maroc (Rat der israelitischen Gemeinschaften von Marokko) ist das marokkanische Mitglied des World Jewish Congress.

In Marokko existiert seit mehr als 2000 Jahren eine jüdische Präsenz, die auf die Zeit vor der Errichtung der römischen Kontrolle zurückführt. Jüdische Flüchtlinge strömten 1331 in Massen nach Marokko, um sich vorm spanischen Massaker zu schützen. Gefolgt von weiteren Einwanderungswellen infolge der Vertreibung des spanischen Judentums im Jahr 1492. Ab dem 15. Jahrhundert mussten die Juden von Fès in speziellen Unterkünften leben, genannt “Mellah”. (Dieser Name, abgeleitet vom arabischen Wort für Salz, wurde verwendet, weil die Juden in Marokko gezwungen waren, die Köpfe der verurteilten Gefangenen vor ihrer öffentlichen Ausstellung zu salzen.)

Der Holocaust auch in Marokko…

Die sozialen Verhältnisse der Juden hier im Land verbesserten sich nicht wirklich. Im August 1941 erließ das französische Vichy-Regime Gesetze, die marokkanische Juden diskriminierten. Die neuen Gesetze setzten Quoten für die Anzahl jüdischer Ärzte und Anwälte fest. Sie vertrieben Schüler von französischen Schulen und siedelten Juden in die Mellah um. Der marokkanische Sultan Mohammed V. drängte sie aber zurück und erklärte den jüdischen Führern, dass seiner Meinung nach die Vichy-Gesetze, mit denen der Juden und dem marokkanischen Recht keinesfalls zu vereinbaren seien. Er war der Meinung, dass Juden wie Muslime alle gleich behandelt werden sollten. Auch sollte ihr Eigentum unter seinem Schutz bleiben.

Aufgrund dieser starken Opposition konnten die Vichy-Administratoren die diskriminierenden Gesetze nicht umsetzen, wie sie wünschten. Im November 1942, nach dem Einmarsch amerikanischer Truppen, schafften die Franzosen mehrere Mellah- und die Vichy-Gesetze ab. Im April 2017 lobte eine von der jüdischen Gemeinde in New York organisierte Zeremonie, König Mohammed VI. Als „Vorbild“ für das religiöse Zusammenleben „für die ganze Welt“.

Zeit zu gehen…

Bis 1948 gab es in Marokko rund 270.000 Juden. Viele davon entschieden sich zum Großteil aufgrund der politischen Unsicherheit und der schlechten Armut, Marokko zu verlassen. Entweder nach Israel, Frankreich, in die USA oder nach Kanada. Auch wurden sie vom israelischen Sicherheitsdienst zurückgerufen, weil sie angeblich in anderen Ländern nicht mehr sicher wären. Für Viele war diese Entscheidung aber leider nicht die Beste.

Nach Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 schrumpfte die Gemeinde der Juden in Marokko erheblich. Der jüdische Weltkongress spielte in den 1950er und 1960er Jahren eine wichtige diplomatische Rolle. Und zwar bei der Auswanderung marokkanischer Juden nach Frankreich, Israel und anderswo. 1971 blieben nur noch 25.000 Juden übrig. Der Demograf der Hebräischen Universität, Sergio Della Pergola, schätzte, dass um 2015 nur noch 2.300 Juden in Marokko lebten.

Der neue König…

Seit der Thronbesteigung von Mohammed VI. im Jahr 1999 hat sich die Haltung des Königreichs gegenüber seiner jüdischen Gemeinde erheblich verbessert. 2010 kündigte er dann eine neue Initiative zur Restaurierung jüdischer Friedhöfe in Marokko an. Im folgenden Jahr wurde eine neue Verfassung verabschiedet, in der die Rechte religiöser Minderheiten, einschließlich der jüdischen Gemeinde, anerkannt wurden. 2013 wurde der Varzea-Friedhof auf der Kapverdischen Insel mit Unterstützung des Königreichs restauriert. Drei Jahre später nahm der König an der Einweihungszeremonie der Ettedgui-Synagoge in Casablanca teil. Die Wiedereröffnung der Synagoge folgte auf die Wiedereröffnung des El Mellah Museums. Hier wird die Geschichte des marokkanischen Judentums sehr schön dokumentiert.

Bildung für Juden in Marokko…

1992 wurden die meisten jüdischen Schulen geschlossen und nur die in Casablanca blieben erhalten. Der Kindergarten, die Grundschule und Sekundarstufe sind noch aktiv. Marokko erkennt das jüdische kulturelle, künstlerische und literarische Erbe seines Landes an, welches auch an mehreren marokkanischen Universitäten gelehrt wird.

Und sie kommen immer noch…

Bis heute gibt es Synagogen, Mikvaot, Altersheime und Restaurants in Casablanca, Fes, Marrakesch, Essaouira, Rabat, Tetuan und Tanger. Marokkanische Juden pilgern zu den Gräbern der Heiligen Weisen in den 13 berühmten und antiken Wallfahrtsorten, die von einheimischen Muslimen gepflegt und umsorgt werden. In diese Orte drängen sich jedes Jahr marokkanische Juden aus aller Welt, darunter auch aus Israel. Das einzigartige marokkanisch/jüdische Fest, das Mimouna, wird von vielen marokkanischen Juden in der Nacht nach dem Passah gefeiert. Es ist praktisch ein Nationalfeiertag in Israel geworden.

Marokko und Israel heute…

Im Gegensatz zu den meisten anderen arabischen Staaten hat Marokko Anfang der neunziger Jahre, nach der Unterzeichnung des Oslo-Abkommens, diplomatische Beziehungen zu Israel aufgenommen. 1994 eröffnete Israel ein Verbindungsbüro in Rabat, obwohl die diplomatischen Beziehungen nach dem Beginn der Al-Aqsa-Intifada im Jahr 2000 abgebrochen wurden. Aber trotz allem, wurden die Handelsbeziehungen und der Tourismus nicht still gelegt und Israelis kommen weiterhin regelmäßig hier her.

Jüdische, historische Orte die du dir anschauen solltest…

Wie ich schon ganz am Anfang meines Posts erwähnte, gibt es immer noch sehr schöne Synagogen und Friedhöfe in Marokko. Es ist bekannt für seine alten Synagogen, von denen viele restauriert wurden. Eine bemerkenswerte Synagoge ist die Ibn-Danan. Ein Gebetshaus aus dem 16. Jahrhundert in Fès, das 1999 mithilfe der UNESCO renoviert wurde. Es gibt auch alte Synagogen in Tanger, Marrakesch und Meknes. 2016 wurde das El Mellah Museum, das einzige jüdische Museum in der arabischen Welt, in Casablanca wiedereröffnet.

Sehr schön ist es auch, einige der 200 jüdischen Friedhöfe im ganzen Land zu besuchen, die in den letzten Jahren renoviert wurden. Auch interessant sind die Pilgerstätten an den Gräbern der großen Rabbiner Marokkos wie Rabbiner Yehouda Benatar (Fez), Rabbiner Chaim Pinto (Essaouira), Rabbiner Amram Ben Diwane (Ouezzane) und Rabbiner Yahia Lakhdar (Ben-Ahmed).

Meine persönliche Meinung…

Wenn man sich andere arabische Länder anschaut, wo Juden mit leben, sieht man bis heute wie sie sich gegenseitig an die Gurgel gehen. Der Jude war schon immer sehr fleißig, intelligent und in der Lage sich etwas aufzubauen. Was natürlich für die “weniger Tüchtigen” ein Dorn im Auge war. Aber das wissen wir ja noch aus Hitlers Zeiten…

Der Jude hatte eigentlich nie irgendwo ein richtiges zu Hause, egal wo er lebte. Entweder wurde er diskriminiert, verfolgt oder getötet. Wirklich willkommen war er nie. Religion hin oder her, leben und leben lassen. Leider können das die meisten nicht und jeder versucht dem anderen seine Meinung aufzuzwingen. Nur leider endet das zu oft in einem Schlachtfeld… Aber so ist der Mensch nun mal, sehr egoistisch und ignorant. Von Toleranz brauchen wir gar nicht sprechen, auf jeden Fall nicht, wenn es ums Thema Religion geht.

Auch würde ich sagen, bis Anfang 2000 waren die Juden hier noch sehr respektiert. Ganz besonders von der Generation, die mit ihnen damals noch Wand an Wand lebten. Durch das Riesen Loch an Bildung in den normalen städtischen Schulen kriegen die Kinder auch nicht ordentlich was beigebracht. Oder sie gehen nicht regelmäßig zur Schule. Oft hören Deutsche hier Kommentare wie: Oh, ich mag Deutschland, Hitler war ein guter Mann”… Soviel zum Thema wie die Meinung vieler Marokkaner heute den Juden gegenüber ist… Schon traurig eigentlich, denn sie haben ja einiges zur Kultur und Tradition des Landes mit beigetragen… Hängt aber wahrscheinlich auch mit den Ereignissen im Gaza zusammen.

Meine Literatur Tipps zum gleichen Thema für euch

Generell finde ich, dass das Judentum und die Geschichte des Holocausts für uns alle sehr interessant und wichtig sind! Deshalb hab ich euch mal hier meine Lieblingsbücher aufgelistet. Für alle die mehr über dieses sehr besondere Thema wissen möchten.

Juden Marokkos und Europas Das marokkanische Judentum im 19. Jahrhundert. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts erregte das noch unabhängige Sultanat Marokko die Aufmerksamkeit der kolonialinteressierten Kreise in Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit Westeuropas. Parallel dazu begannen sich die westeuropäischen Juden für ihre Glaubensgenossen im Sherifenreich Marokko zu interessieren.

Europa gegen die Juden 1880-1940 Ohne die Schuld der deutschen Täter zu mindern, zeigt er, wie Rivalität und Neid, Diskriminierung und Pogrome seit Ende des 19. Jahrhunderts vielerorts dazu beigetragen haben, den Boden für Deportationen und Völkermord zu bereiten. 

Der neu-deutsche Antisemit Gehören Juden heute zu Deutschland? Gerade einmal drei Generationen sind seit der Shoah vergangen. Deutschland ist heute ein anderes Land. Die Deutschen haben aus der Vergangenheit gelernt und sich ihrer Verantwortung für ein „Nie wieder“ gestellt. Ist es wirklich so?

Ein Jude in Neukölln Mein Weg zum Miteinander der Religionen. Neukölln sei für Juden nicht sicher, warnte der Antisemitismusbeauftragte der jüdischen Gemeinde Daniel Alter mit Verweis auf den hohen Anteil von Muslimen. Kurz darauf warb der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, für eine Obergrenze bei Flüchtlingen. Sie stießen dabei ins selbe Horn wie Sarrazin, Buschkowsky und die AfD.
Ármin Langer, jüdischer Rabbinerstudent und Publizist, lebt in Neukölln und stellt sich diesen Positionen vehement entgegen. Seine erfolgreiche Salaam-Schalom- Initiative beweist, was Muslime und Juden voneinander lernen können und wie Gemeinschaft funktioniert. Eine mitreißende Geschichte, ein unverzichtbarer Apell.

Wie Juden leben Glauben, Alltag, Feste. Ein Handbuch jüdischer Lebenspraxis – Eine authentische Einführung, ein ausgezeichneter Leitfaden. Israel M. Lau beschreibt authentisch das Leben und die Glaubenspraxis der Juden. Auf faszinierende Weise gelingt es ihm, jüdisches Denken und Handeln aus seinen Ursprüngen heraus verstehbar zu machen und eröffnet damit einem jüdischen wie auch nichtjüdischen Leserpublikum interessante Zugänge. 

Ein Buch für alle, die sich ein Bild vom Leben und Glauben der Juden machen wollen.

4 Comments

  • zilz

    auf welcher Cap Verden Inseln befindet sich der genannte Ort, auf Antao gibt es einen Ort namens “Synagoga”, dort sieht man noch verfallene Gebâude einer Leprastation. Ich habe ca. Mitte der 1965 Jahre in Casablanca gearbeitet als Anfang 20 jährige, deshalb lese ich sehr gerne deinen Blog, manches erinnert mich an meine Zeit dort.

    • Fobo2019

      Hi!

      Lieben Dank für dein nettes Feedback und toll, dass meine Posts dir ein paar Erinnerungen aus Marokko zurück bringen können!

      Und ich habe lange nach der bestimmten Insel geschaut, habe dazu aber leider nichts konkretes gefunden, leider 🙁
      Aber so wie es überall geschrieben steht, unterstützt der König ebenfalls mehrere Friedhöfe auf verschiedenen Kapverdischen Inseln. Vielleicht ist es ja sogar die, von der du sprichst!

      Alles Gute wünsche ich dir,

      Nadine

  • cresent Moon cafe

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