Das Leben in Marokko,  Meine Erfahrungsgeschichten

Marokkanische Hexerei – Wenn die Liebe einen Schub braucht

Für mich stand schwarze Magie oder Voodoo immer nur im Zusammenhang mit schwarz afrikanischen Ländern. Sowie Togo, Ghana, Nigeria, Mali usw. Ich hatte immer die Strohpuppe in Gedanken, der man dann Nadeln in den Körper steckte, um irgendwo einer anderen Person zu schaden. Ich hatte Schamanen bildlich vor mir, die irgendwo in einer Strohhütte saßen und magische Säfte brauten, Holzfiguren und Masken … Aber marokkanische Hexerei?!

Marokkanische Hexerei

Das war für mich mehr als unvorstellbar! Marokkanische Hexerei und der Islam, wo alle hier ja immer so tun als würden sie heilig dran glauben, passten doch so überhaupt nicht zusammen!

Marokkanische Hexerei

Oft hörte ich so Gerüchte wie, der Sohn wurde von seiner neuen Freundin oder Ehefrau mit schwarzer Magie verhext, weil er sich von seiner Familie abwandte. Naja, was heißt abwandte ?! Weil er Mama nicht mehr jeden Tag 5 Mal anruft, heißt das ja nicht gleich, dass er sie ignoriert. Vielleicht hat er wirklich seine große Liebe gefunden und hat jetzt weniger Zeit als zuvor, als er noch daheim lebte. Möchte sich jetzt ein eigenes Leben aufbauen. Endlich sein Leben, leben.

Die meisten Männer hier sind unter den Fuchteln ihrer Mütter aufgewachsen. Nur sie allein ist die Beste und die meisten Frauen sind bösartig gemein. Hängt bestimmt auch mit ihrer eigenen Kindheit zusammen oder ihrer Ehe. Denn diese wurden/, sind ja oft nicht nur aus Liebe eingegangen worden, sondern auch um von Zuhause herauszukommen und etwas abgesicherter zu sein. Und wenn die Liebe dann nicht wie erwartet eintraf, so wie man es sich aus den Märchenfilmen erhoffte, hatte man nur eines: die Söhne. Und für diese kleinen Prinzen wurde alles gemacht damit die Mama niemals den Rücken zuwenden. Wenig Grenzen, keine Pflichten, kein Stress und Druck. Und Mädel, wage es bloß nicht mir meinen Sohn wegzunehmen …

Ist hier leider heute auch noch ganz oft der Fall. Sehr dramatisch enden solche Geschichten dann. Entweder verlässt er seine Frau und redet sich ein alles wäre ihre Schuld oder es schreitet in viel Aggressivität seiner Familie gegenüber aus bis zu Polizeieinsätzen und Abbruch des Kontakts.

Die meisten Ehen die ich kenne, egal ob multikulturell oder marokkanisch, hatten oft die Schwiegermutter dazwischen, die aus Eifersucht Intrigen spannund zum Teil ndig bitterbös krank wurde damit der Sohn wieder nach Hause kam. Und dann zu sagen, dass er von der neuen Frau verhext wurde, ist natürlich einfach. Einfacher als bei sich zu schauen und mal zu lernen loszulassen.

Lustige Stunden …

Zwischenzeitlich wohnte ich für eine Weile in Essaouira auf dem Land, in einem hübschen Häuschen, ca. 8 km von der Medina entfernt. Mein Vermieter, ein sehr moderner Marokkaner in seinen 60ern der direkt nebenan auf seinem Hof lebte, lud mich abends öfters zum Essen sein. Er mochte es nur Französisch zu sprechen, auch mit den Marokkanern. War Künstler und hatte sich seine ganze Farm alleine zusammen gebaut. Ein hübsches Plätzchen. Er war, würde ich sagen, ein Soziopath, meidet die Menschen um sich herum und werkelte an neuen Projekten in seiner Werkstatt. Er war anders, angenehm anders.

Marokkanische Hexerei

Abends, wusste ich schon immer das er mit dem Essen auf mich wartete, sowie auch seine schwarze Katze Miloush. Wir tranken guten Wein, hatten schöne intellektuelle Gespräche und aßen meistens eine Tajine die er selber Zuhause machte.

Marokkanische Hexerei

Eines Abends, begann er kleine Steine in einem Kesselchen mit heißer Kohl zu schmelzen. Manche von denen explodierten sogar und zerflossen als Lava. Diesen tollen Geruch werde ich nie vergessen. Steinchen in verschiedenen Farben oder auch ein spezieller Harz. Dann fing er an Witze zu machen und schwang den Pott über meinem Kopf hin und her indem er irgendwelche mir nicht verständliche Verse aufsagte. Nicht zu vergessen sein Tuch was er sich um den Kopf band. Ich nahm es da noch nicht ernst und wir lachten über seine marokkanische Hexerei.

Marokkanische Hexerei

Eine Überraschung …

Eines Tages machten wir uns auf eine Spritztour mit seinem Auto. Gerne wollte er mir die Dörfer außerhalb Essaouiras zeigen, die ich zu dem Zeitpunkt noch nicht kannte.

Es war eine schöne Tour an einsamen Stränden vorbei. Wir sammelten Steine am Strand und altes Holz aus denen er Figuren basteln wollte. Ein alter Mann in seiner Fischerbude machte uns frischen Tee und auch hier saß wieder eine schwarze Katze mit uns zusammen am Tisch. Mein neuer Kumpel mochte die Tiere und die Natur sehr. Noch mehr als die Menschheit. Wahrscheinlich auch durch viel schlechte Erfahrungen.

Marokkanische Hexerei

Gegen Dämmerung fuhren wir zusammen zurück Richtung Piste, wo wir wohnten. Nur ein Dorf wollte er mir noch zeigen.

Ein altes weißes Grab in Gestalt eines Häuschens mit einem Innenhof, wie auf einer Farm tauchte vor uns auf. Der Sonnenuntergang verwandelte das Licht des Himmels in ein atemberaubendes Rosa.

Aber hier war niemand. Alle Zimmer, die man vom Innenhof aus betreten konnte waren verlassen. Hier wohnte wohl schon seit 2 Jahrzehnten niemand mehr.

Am Ende der Farm, um eine kleine Ecke herum, zeigte er mir ein dunkles Zimmer. Und da hingen sie: Unterwäsche in allen Farben, T-Shirts, lange Röcke und Kaftane … Ich stand dort wie angewurzelt! Wie kann das sein?! In diesem muslimischen Land ziehen sich Mädels einfach irgendwo auf einem alten Hof um und lassen ihre Wäsche da hängen!?

Schwarze Magie

Er erzählte mir, dass speziell hier auf dem Hof, hinter dem Grab, eine Schawafa herkam, eine “Hexe” und sich mit Hilfesuchenden traf. Meistens Frauen, die keinen Mann abbekamen, die nie heirateten, die nach Glück und Reichtum für ihre Familien baten, zu einem Toten sprechen wollten oder die Absicht hatten, ihren eigenen Ehemann verhexen zu lassen, sodass er nur ihr treu blieb. Auch Mütter kamen her, um ihren Sohn weiterhin an sich zu binden. In der Regel aber wohl Damen, die nach Liebe suchten, sie wieder bekommen wollten oder vergessen möchten.

Die Shawafas geben einem bestimmte Aufgaben, speziell auf den Wunsch des Ratsuchenden abgestimmt. Wie zum Beispiel Schmuck und ein Kleid kaufen, in welches der Rauch der Schawafa einfließen kann. Oder nach bestimmten aufgesagten Versen, sollen die Mädchen sich umziehen gehen, einmal durchs Tor krabbeln und in den kleinen Garten des Grabes laufen und wären dann wie in ein neues Leben geboren. Bald würde ihnen passieren auf was sie sehnlichst warteten.

Marokkanische Hexerei

Das stimmte wohl. Es wurde hier fabriziert, die marokkanische Hexerei. Und das noch neben dem alten weißen Grab. Denn hier in Marokko gehört Hexerei zum Teufelswerk. Es war böse und hat mit der Religion nichts zu tun. Wird sogar von den Gerichten mit hohen Geldstrafen gefahndet. Der Islam, der hier wohl von rund 99,9% der Menschen wirklich fabriziert werden soll, verbietet sogenannte ” Vermittlungsgespräche” zwischen Personen und Gott. Laut Koran kann aber niemand anders als der Prophet Mohammed in die Zukunft sehen.

Niemand im Himmel und auf der Erde kann dir sagen, was die Zukunft bringt, außer Gott.

Dr. Khalid Saqi, stellvertrender Direktor der Islamischen Schule Dar Al Hadith Al Hassina

Und da es hier in Marokko rund 32 % Analphabeten gibt und diese den Islam nur durch Sagen Hören von anderen kennen, ist die schwarze Magie, also die marokkanische Hexerei, für sie nichts, was falsch wäre. Oder sie folgen dem Wort des Korans nur für die Gesellschaft, aber nicht vom Herzen.

(Das entschuldigt man so. Ich persönlich habe aber schon etliche Marokkaner getroffen, die nichts mehr mit der Religion zu tun hatten. Versteckt natürlich, um nicht ins Gefängnis zu kommen).

Trotzallem existieren die Shawafas aber hier unter uns. Egal ob alt oder jung. Denn sie werden gebraucht. Sei es auch nur als günstige Therapiestunde, die man sich so beim Therapeuten nicht leisten kann. Oder, weil man wirklich an die schwarze Magie der Hexe glaubt. Man weiß ja nie …

Salma

In ihren 20ern, besuchte sie das erste Mal eine Shawafa. Aber eigentlich eher aus Jux mit ihren Freundinnen. Nicht, weil sie es ernst meinte. Diese saß unter einer alten Lerche und übergab Salma die Botschaft das sie niemals heiraten würde.

Erzähl das mal einer jungen Frau die ja sowieso immer unter dem Druck der Gesellschaft steht, sich einen guten Ehemann zu suchen! Sie fing an in Gelächter auszubrechen und machte sich über die alte Shawafa lustig. Sie glaubte überhaupt nicht an Magie und steckte dort niemals auch nur eine Sekunde Vertrauen hinein.

Heute, 20 Jahre später, ist Salma mit ihren 42 Jahren wirklich immer noch nicht verheiratet. Sie war bereits bei mehr als 100 Shawafas, aber keine kann ihr helfen. Sie glaubt heute, dass die alte Dame ihr damals wegen ihres unmöglichen Verhaltens einen Fluch aufgesetzt hat, sodass sie niemals heiraten würde!

In einem Land wie diesem, wo 15% der Menschen immer noch unter der Armutsgrenze leben, kann auch Salma es sich nicht leisten einen Therapeuten zu bezahlen. Stattdessen gehen sie dann zu den “Hexen”, von denen sie sicher sind das diese in die Zukunft schauen können. Auch obwohl Hexerei ja wie schon oben erklärt, gegen die Vorgaben des Islams verstößt.

Bis heute war sie bei etlichen Shawafas, aber keine konnte den Fluch brechen der auf ihrer Seele lastet. Trotzdem versucht sie es weiter mit marokkanischer Hexerei.

Colleen Daley

Eine Amerikanerin die 2012 in die blaue Stadt Marokkos kam, um nach Shawafas zu suchen. Genauer gesagt nach Chefchaouen. Sie schlenderte durch die Himmels blauen Gassen der süßen Medina und fragte in ihrem gebrochenem Arabisch nach den “Hexen”. Etliches hatte sie schon über die Magierinnen gehört, wie zum Beispiel:

Der Teufel in der Gestalt einer Frau die schwarze Magie praktiziert. Marokkanische Hexerei. Zu der junge Mädchen eilen, die auf der Suche nach einem Ehemann sind.

Colleen Daley

In Begleitung eines Übersetzers, fand sie schließlich eine und war mehr als überrascht, wie gewöhnlich die Shawafa denn aussah! So hatte sie sich die alte Dame überhaupt nicht vorgestellt!

Ihr Mund hatte im Inneren fast keine Zähne mehr, auf dem Kopf hatte sie ein schnell aufgebundenes weißes Kleidungsstück, falls Herren unerwartet zu Besuch kamen. Ihr Schlafanzug hatte Flecken vom Kochen …

Auch wenn es sie damals nur 2 € gekostet hätte, also 20 Dirham, wollte Colleen nicht, dass die Shawafa ihr die Zukunft voraussagte. Sie ist sehr christlich und hatte aufeinmal das Gefühl als wäre Gott in diesem Raum anwesend. Ihr Übersetzer erzählte ihr die Geschichte der alten Dame, die ihr “Geschenk” an die Menschen weitergeben wollte, um sie zu heilen. Und natürlich auch um etwas Geld für ihre Töchter zu verdienen da ihr Ehemann verstorben sei.

Sie hatte dieses helle Licht um sich herum, eine so schöne Aura und erzählte so offen und glücklich über ihre Kräfte. Sie war pur und rein. Nicht alt und verbittert.

Bouchra

Es gelang ihr einfach nicht ihren immerzu betrügenden Exfreund zu vergessen. 2007 als sie deshalb erstmals Suizid Gedanken bekam, brachte ihre Cousine sie zu einer Shawafa. Diese studierte die Zukunft der jungen Frau anhand der Bewegung von schmelzendem Blei im Wasser … Nicht 100 % sicher, ob sie Bouchra helfen konnte, tat sie ihr auf Schmuck und ein Kleid zu kaufen, in dem der Rauch nach oben ziehen konnte. Diese Prozedur sollte sexuelle Energien freigeben … Sie zahlte der alten Frau 60 € und am Freitagmittag, zum heiligen Gebet, sollte sie ihren Exfreund dann an die Schulter fassen, um den Zauber zu vervollständigen und ihren Ex endgültig zu vergessen, ihre Gefühle für ihn wären dann wohl wie weggeblasen!

Sie tat es. Fasste ihrem Ex am Freitagmittag an die Schulter und rann weg, bevor er überhaupt regieren konnte. Wusch sich danach, wie besprochen mit dem Wasser, welches die alte Dame ihr mitgegeben hatte. Auch heiligte die Shawafa sie mit einer Substanz namens Kobol, die sie attraktiver und schöner machen sollte als alle anderen um sie herum.

Und wie es auch nicht anders hätte sein sollen, traf Bouchra noch am selben Tag auf den Straßen Rabats den Mann ihrer Träume …

Ein Mann hilft dir dabei, den anderen zu vergessen. So spielt das Leben. Davon bin ich überzeugt!

Bouchra Saaidi

Obwohl sie sich sicher ist, das Shawafas wirklich echt sind und ein Talent haben den Menschen mit magischen Kräften zu helfen, will sie, aber nicht bestreiten, dass es eventuell auch nur eine Sache des Kopfes, des Denkens war. Wenn eine Shawafa dir erzählt, dass du in 3 Tagen einen Mann kennenlernen wirst, dann wird dieses auch passieren, denn es sitzt fest in deinem Köpfchen. Marokkanische Hexerei hin oder her.

Ein Zwiespalt zwischen Hexerei und Psychologie

Manche Menschen gehen zu Shawafas weil sie einfach nicht genügend Geld haben, um eine Therapie zu beginnen.

Ali Chaabani, Soziologie Professor an der Mohamed-V Aghdal Universität in Rabat

Eine 50-minütige Therapiestunde in Rabat kostet an die 30 €. Auch wenn es einiges günstiger ist als bei uns in Deutschland, ist es langwieriger dein Problem zu lösen. Einer Shawafa bezahlst du für 2 Stunden 60 €, erzählst ihr deine Probleme, erfährst über deine Zukunft, wirst von ihr geheiligt und triffst, sowie Bouchra, dann noch den Mann deines Lebens … Anstatt zu mehreren Therapiestunden zu gehen, hat dir deine Shawafa bei nur einem Besuch mit ihren magischen Kräften direkt dein Problem gelöst! Du bist traurig, gehst zu ihr, sie sagt dir ein paar schöne Wörter und du gehst happy wieder nach Hause!

Für sehr viele Marokkanerinnen ist die marokkanische Hexerei auf jeden Fall die Lösung überhaupt.

Der Hochzeitsbrunnen

Etliche Frauen besuchen den versteckten Brunnen in der Oudaya Burg in der Nähe des Strandes. Der Aufseher dort, Idrissi Saleh, ist sich sicher, dass wenn man Rosenwasser mit dem des Brunnens mischt, es einer Frau dabei hilft den passenden Ehemann zu finden. Nach der Waschung muss sie nur eine Kerze für den Dschinn anzünden, der sie bis heute von der Heirat abhielt und ihre Unterwäsche dort wechseln als Zeichen der Hoffnung im sexuellen Glücksfall.

Marokkanische Hexerei

Dieser Hochzeitsbrunnen enthält auch ein Grab, nämlich das vom heiligen Sidi Abouri, welches von den Frauen als Vermittlungsort genutzt wird um Gott zu bitten ihnen etwas Glück zu geben. Auch dies ist natürlich im Islam strengstens verboten.

Und obwohl der Heilige schon tot ist, scheint es nur so, als würde er schlafen. Er löst alle Probleme.

Mohammed, der Sohn des Burgwächters

Miriam

Sie ist erst 22 Jahre alt und eine der jüngsten, illegalen Shawafas im Land. Und trotzdem hatte sie bis heute wegen ihrer marokkanischen Hexerei kein einziges Problem mit der Polizei, ganz im Gegenteil. Auch diese kommt zu ihr und braucht magische Hilfe in Bereichen wie persönliche Probleme, Karriere und Reichtum. Miriam ist sich sicher, dass sie jemand mit 9 Jahren verzaubert hätte. Seitdem kann sie sich nicht gegen die Macht der Dschinns wären, von denen sie besessen ist und die ihr auferlegten, eine praktizierende Shawafa zu werden.

Fatima

Wurde ebenfalls plötzlich von Geistern besessen, als sie die Kleider ihrer verstorbenen Tante wusch. In einem abgetrennten Raum ihres Hauses sitzt sie dann, im grell pinken Schlafanzug, mit einem dünnen Stoff aus Kleidungsstücken auf dem Schoß, welches sie in Kontakt mit dem Geist hält, der sie besitzt. Während sie den Menschen ihre Zukunft voraussagt, spielt sie mit Perlen die durch ihre Fingerspitzen gleiten.

Alles, was sich in diesem Zimmer um sie herum befindet, vom Sofa bis zur islamischen Gebetstafel ist grün. Genauso wie der Rest des Hauses. Alles hat einen grünen Hauch, von der Deko bis zu der Wandfarbe. Die Lieblingsfarbe ihres Geistes …

Obwohl sie weiß, dass ihre Weissagungen illegal sind, dass marokkanische Hexerei in Marokko verboten ist, sagt Fatima das sie es genießen würde, anderen zu helfen.

Und mit großem Selbstvertrauen gibt sie auf die Frage wieder, was sie von der Skepsis ihrer Kräfte gegenüber hält:

Ich wünschte mir, dass meine Kritiker einmal genauso leben wie ich es tue, in dieser täglichen Tortur durch die ich gehen muss. Denn erst dann werden sie verstehen, das ich über meine Kräfte keine Kontrolle habe.

Fatima, eine Shawafa Marokkos

Und während ich diesen Post schreibe, startet heute Nacht zufälligerweise die Zeit der Shawafas. Der 27. Tag im Ramadan, eine der stärksten Nächte des Jahres… Die Einen gehen in die Moschee, die anderen zur Shawafa.

Fazit:

Glaube ich an Magie?! Nachdem was ich hier in Marokko gesehen und erlebt habe, ja. So viele Dinge die außer Kontrolle gerieten, können nur etwas mit höherer Kraft zu tun haben. Sogar meine heißgeliebte Schwiegermutter glaubt ganz stark an die marokkanische Hexerei aus der Sahara. Von Anfang an bat sie uns auf dort keinen der anderen Familienangehörigen besuchen zu gehen. Auch soll ich mir kein Henna machen lassen, etwas trinken oder essen. Wir sollten unser gemeinsames Profilfoto entfernen, damit man uns nicht verhexen kann. Aber da sie ja schließlich auch die Mutter meines Mannes ist, bin ich mittlerweile selbst bei ihr vorsichtig!

Ich denke, es ist Zeit, für eine Wahrsagung bei einer der vielen Shawafas. Mal schauen was passiert !

Und als Buchtipps zum Thema “Marokkanische Hexerei”, hab ich dieses Mal gar nicht so viel, denn man spricht nicht gerne über die Magie im Islam …. Aber dennoch ist auch dieses echt toll geschrieben!

Religiöse Magie Ein Buch, dass zum Teil schon aus vorislamischer Zeit besteht. Magie, Rituale, Sprüche und Amulette … Sehr interessant!

7 Comments

  • Kasia Oberdorf

    Ja, der Islam und die Hexerei schließen sich gegenseitig nicht aus! Mein Ex hatte mir damals unzählige Geschichten erzählt, Fälle von Verhexung, Geister in Gestalt von schwarzen Hunden, die gesichtet wurden, alte Frauen, die um Mitternacht blutige Wäsche im Fluss wuschen und an Hausmauern in der Erde gefundene Gegenstände, die dort vergraben wurden, um jemanden zu verhexen… Nordafrika ist unglaublich faszinierend, denn der Islam, der danach kam, kann die alten Bräuche und Aberglauben bis heute nicht verdrängen. Meistens existieren die beiden Welten nebeneinander. Der Islam geht seinen Weg und die Magie den ihren… für viele kein Widerspruch 😉 Lg Kasia

    • Nadine

      Hi Kasia!

      Genau wie die alten Berber Frauen mit ihren tattoos, die tragen sie bis heute noch obwohl es im Islam eine Schande ist … Gerade die Amazigh sind sehr Naturverbunden, die kann man nicht in eine Kiste sperren. Leider ist die neueste Generation aber mittlerweile so Religions manipuliert, dass es für sie alles normal ist.

      Aber Magie, die ja wirklich in Marokko täglich ausgeübt und beansprucht wird, meistens von Frauen die den Hijab tragen, wird ignoriert. Die Tatsachen, die Realität und die Wahrheit wird total verdrängt. Deshalb funktioniert hier auch nichts wirklich. Die Menschen sind unterdrückt, gefangen in ihrem eigenen Sein.. Schon traurig!

      Mein Mann hat mir diese Geschichte erzählt:

      Busfahrer, denen während der Fahrt ein Diebstahl gemeldet wurde, der sich gerade erst im Wagen ergeben hat, fahren direkt schnurstracks zur Polizei damit der Täter nicht abhauen kann.
      In diesem Fall war es eine junge Marokkanerin die auf dem Nachhauseweg bestohlen wurde und die direkt zum Fahrer vor ging. Dieser fuhr zur Polizei um dem Mädchen zu helfen. In diesen Minuten sind die eigentlichen Diebe aber so verängstigt weil sie wissen das sie sofort festgenommen werden, falls man sie erwischt. Somit stecken sie das Gestohlene schnell in die Taschen von anderen Leuten.

      In diesem Fall wurde das Handy des Mädchens in der Handtasche einer ganz alten Berber Frau gefunden. Es wurde ihr da wohl von jemandem hineingesteckt.
      Aber neben dem Handy fand man 2 klitzekleine Babyhandy und Füße….

      Was sie da wohl mit vorhatte ….

  • Kasia Oberdorf

    Huh, wie gruselig! Das erinnert an die Zeiten, als im Mittelalter Gehängten Gliedmaßen wie Finger abgeschnitten und als Amulette getragen wurden. Babyhände ist natürlich noch eine Nummer härter…

    Lg Kasia

  • Renate

    Liebe Nadine,
    interessanter Bericht mit vielen Beispielen. Ich habe gelesen, dass der Maghreb viele schwarzafrikanischen Einflüsse durch eingeschleppte Sklaven und Söldner bekam. Das erklärt auch die magischen Kulthandlungen, die eben nicht islamischen Ursprungs sind. Und so manche Behandlung wirkt vielleicht wie unser Besuch beim Seelenklempner. Bist du schon auf die Gnawa getroffen? Da wird doch auch mit Trance gearbeitet.

    Marokko ist schon sehr vielfältig! Ich war übrigens mal bei einer Santeria Priesterin auf Kuba. Die Dame war noch recht jung und zeigt mir ihr Haus, in dem viele Götterfiguren der Orishas standen, die sie mir erklärte. Auf Kuba hat sich die afroamerikanische Religion der ehemaligen Sklaven mit dem Katholizismus vermischt, der ihnen damals aufgezwungen wurde. Die kubanische Version des Voodoo eben. Auch hier gibt es Wahrsagerei, Opfergaben und Beschwörungen der Götter und Göttinnen. Ich fand das sehr interessant und hatte zumindest großen Respekt davor.

    Herzliche Grüße
    Renate

    • Fobo2019

      Hallo Renate!

      Lieben Dank für dein Feedback!
      Wow, das mit deiner Erfahrung auf Kuba ist ja echt super! Solche Momente kenne ich, wenn man aus dem Staunen nicht heraus kommt :-))) Ich respektiere Magier sehr und glaube auch an ihre Kräfte …

      Mich interessieren solche Themen über Magien aus anderen Welten auch sehr! Speziell wenn es eigentlich so gar nicht zu einem Land passt, wo eine mächtige Religion regiert.

      Die meisten Shawafas hier in Marokko sind Berberinnen. Nicht alle, aber von denen kommt es. Diese waren ja die ursprünglichen Einwohner Marokkos und wurden gezwungen zum Islam zu konvertieren. Davor waren sie Juden oder Philosophen, was für mich so einiges erklärt. Viele Berber Frauen haben ja auch noch ihre Tattoos im Gesicht und an anderen Stellen ihres Körpers. Dies ist ebenfalls eine Schande im Islam. Aber darüber schreibe ich noch einen anderen neuen Artikel!

      Hab einen schönen Tag und bis bald!

      LG,
      Nadine

  • Anita

    LIebe Nadine, ich mag deine Sicht auf die Dinge. So schön realistisch, nüchtern und doch mit Herz. Ich persönlich finde, dass alles was einem hilft und niemanden schadet absolut ok und nötig und wichtig ist.
    Nach meiner Entbindung und zig Hormonwechsel war ich super fertig und brauchte eine Hebamme. Meine Hebamme aus meinem Geburtsvorbereitungskurs war instinktiv meine Wahl. Was ich nicht wusste, sie hat gerade ihre Schamanenausbildung abgeschlossen.
    Es war großartig und für mich, die auch viel mit dem Kopf macht, definitiv eine Überwindung aber nach diese Stunde war mir mehr geholfen als jedes Gespräch zum Thema Babys.
    Und nichts anderes machen Psychologen und (weisse) HExen. Sie stärken uns.
    Liebe Grüße, Anita

    • Fobo2019

      Liebe Anita!

      Ich freue mich sehr über dein so nettes Feedback. Manchmal habe ich so Gedanken, die ich gerne mit allen teilen würde. Dinge, dich ich erlebt habe und die vielleicht für den einen oder anderen sehr interessant sind! Ab und zu kommt etwas Kritik, dass ich zu extrem an die Religion und die Menschen gehen würde. Für mich, ist es nur die Wahrheit und böse ist es auch nicht gemeint :-))
      Deshalb freue ich mich immer wieder über nette Menschen wie dich, die genau verstehen was ich sagen möchte!

      Und das mit deiner Hebamme finde ich echt super gut und sehr sehr schön! Vielleicht hat dein Kind ja davon auch etwas sehr spirituelles mitbekommen, man weiß ja nie 🙂

      Alles Gute euch!

      Nadine

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