Das Leben in Marokko,  Meine Erfahrungsgeschichten

Ausgewandert – Nach meiner Ankunft, Teil 2

Ausgewandert – Vom happy Auswanderer Einstieg bis zu dem einen oder anderen Kulturschock!

 

Ich weiß ja nicht, wer von euch meinen ersten Blog Post über meine Kurzschlussidee, nach Marokko auszusteigen, bereits gelesen hat! Es war auf jeden Fall sehr flexibel und jaaahh, 100%ig eine Art von Weglaufen vor irgendwas. Sowie es ja bei den meisten Auswanderern ist, den Aussteigern. Die, die genau wie ich ausgewandert sind. Vor irgendetwas hauen wir auf jeden Fall ab. Egal ob es die Einsamkeit, der volle Briefkasten, das spießige deutsche Leben wo alles immer akkurat sein muss, oder was auch immer ist. Irgendetwas ist da, was unser Streben nach mehr Freiheit, Gelassenheit und Ruhe, vielleicht auch der Wunsch nach mehr Sozialleben in uns aufschreien lässt.

Und genauso war es bei mir auch. Ich war zwar gerne alleine und für mich, brauchte nie wirklich jeden Tag Andere um mich herum, war dann aber trotzdem kein Fan von dieser öden Einsamkeit. Morgens um 8 aufstehen, 5 Tage die Woche, der 10 Stunden Job und abends immer das Gleiche: Aufräumen, putzen, essen, fernsehen, WhatsApp, Facebook und Instagram. Also man kann es schon so sehen, dass ich vor mir hin vegetierte und mich nach meinem Berufsleben eigentlich nur noch für das der Anderen interessierte -und das virtuell, nicht mal in Person. Das war auf jeden Fall einer der großen Gründe weshalb ich ausgewandert bin. Achja und das meist graue und kalte Wetter machte mir ebenfalls zu schaffen…

 

Ausgewandert nach Marokko

 

Und was passierte dann?!

 

Und dann ging es ab nach Marokko, nach Marrakesch. Diese bunte, wilde Stadt die mich in ihren Bann zog. Wo ich mich endlich frei fühlte. Wo der innere Druck von dem, was innen an mir nagte, nachließ und ich fest vorhatte, hier neu anzufangen und einfach raus aus dem alten Trott zu kommen. Ich war fest davon überzeugt, dass hier alles anders ist. Anders als in Deutschland. Besser und anders. Was ja auch so ist… Nur nicht immer im positiven, es gibt auch hier seine Schattenseiten die ich in den letzten 8 Jahren auf jeden Fall manchmal auf extremste Art und Weise erfahren musste. Gerade alleine als europäische Frau. Als, zu der Zeit noch, Gutmensch …

Aber wie sagt man so schön: Man lernt aus Fehlern oder auch schlechten Erfahrungen und sie bringen einen im Leben auf jeden Fall weiter! Auch macht man die meisten Erfahrungen erst dann, wenn man bereits ausgewandert ist – Gehört auch mit dazu!

 

Und wo kam ich erstmal unter ?!

 

Von Deutschland aus hatte ich noch nicht so wirklich die Anstalten gemacht, mich irgendwie, um eine Unterkunft in Marrakesch zu kümmern, war da sehr blauäugig und naiv. Außerdem hatte Abdul, mein damaliger Guide meines 10-tägigen Marokko Urlaubs der für mich zuständig war, mir ja auch angeboten bei ihm und seiner Familie zu leben. Und da er ja vorher in Deutschland wohnte, ebenfalls schon mal ausgewandert war, perfekt meine Sprache sprach und mir schon mal bewies, dass man sich auf ihn super verlassen konnte, machte ich mir nicht so sehr viele Gedanken und nahm die Einladung dankend und happy an.

In Deutschland dachte ich dann angestrengt drüber nach, was ich denn so mitbringen könnte als Mitbringsel und kaufte eifrig Geschenke für die Familie und Kleinigkeiten für das neue Baby. Diese wurden mir aber eigentlich auch ohne riesige Freude wirklich nur aus der Hand genommen und es kam mir so vor, als wäre es von mir Europäerin ganz selbstverständlich gewesen, etwas mitzubringen. So nach dem Motto: Die haben es da ja…

 

Aber mir ging es nicht alleine so. Auch Andere die ausgewandert waren, fühlten das Gleiche …

 

Auch später, nachdem ich meine ersten Kontakte mit anderen Auswanderinnen gemacht hatte, hörte ich immer das Gleiche. Bei manchen war es sogar so extrem, dass Gegenstände wie Kleidung oder Schmuck von Schwestern oder Cousinen der Gastgeber, Freunden oder sogar Ehemännern aus ihren Reisetaschen oder Zimmern entnommen wurden, um sie selbst zu tragen. Oder um nach außen zu zeigen, dass jetzt eine “reiche Ausländerin” mit zur Familie gehörte. Egal ob ausgewandert oder nur zu Besuch – wie selbstverständlich. Man lebte ja jetzt zusammen … Und das auch wir hart für unser Geld und die Dinge, die wir so haben, arbeiten müssen, kommt keinem in den Kopf.

 

Aber zum Glück ging der Anfang nicht ganz so daneben … Ich musste es auf jeden Fall noch nicht bereuen, ausgewandert zu sein…

 

Auch wenn ich am ersten Abend etwas sehr betröppelt war, durch diese für mich, sehr undankbare Geste, waren trotzdem alle sehr nett. Ich bekam genau wie vorher, als sie mich wegen meiner Lebensmittelvergiftung betüddelten, auch das schönste Gästezimmer oben im Haus mit den Samtsofas und dem weichen Teppich. Obwohl, das muss ich unbedingt nochmal am Rande erwähnen, es eigentlich nicht üblich für eine marokkanische Mutter ist, dass ihr Sohn einfach irgendwelche Mädels nach Hause schleppt und die dann da mit einem noch zusammen wohnen.

 

Ausgewandert nach Marokko

 

Gerade im Islam, welchem Marokkaner ja automatisch von Geburt an angehören, ist dies ein heikles Thema und wir hätten dafür alle ins Gefängnis kommen können. Oder sagen wir die Familie. Ich wäre dann wegen Prostitution abgeschoben worden. Schließlich darf man unverheiratet nicht im gleichen Haus übernachten. Auf jeden Fall nicht, wenn es ein privates Haus ist, keine Herberge. Was es ja nicht war. Es hätte die netten Herren der Polizei hier auch nicht interessiert das ich ja gerade erst hierher ausgewandert war. Das es nicht so einfach ist jetzt auch einfach wieder zurück in mein Heimatland zu kehren. Das ich hier neu anfangen wollte …

Aber auch das alles, sowie speziell Bescheid über marokkanische Gesetze wie diese hier , wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht…

 

Auch kannte ich mich mit der Familien Tradition der Marokkaner überhaupt nicht aus !

 

Im Nachhinein denke ich, dass seine Mutter einfach froh gewesen wäre, wenn Abdul endlich heiratete, sein Leben in den Griff bekam, mit seinen ja schon 33 Jahren. Ich glaube sie dachte wirklich das, da was im Busche war, zwischen uns. Denn auch hier in Marokko ist es für Einen nicht normal das Bub und Weiblein einfach nur miteinander befreundet sind, sich gut verstehen. Was ja bei uns so war.

Abdul hatte schon etwas mehr als Marokko gesehen. Lebte bereits vorher mal knapp 2 Jahre in Deutschland, um dort zu studieren, war auf jeden Fall offener als so viele Andere und kam auch nur zurück, weil an ihm die Gewissensbisse zu sehr nagten, was denn aus seiner Familie werden würde, wenn diese ohne ihn in Marrakesch lebte… Deshalb brach er auch sein Studium ab und kam zurück. Mit nichts und arbeitete jetzt wieder für knapp 200 € als deutscher Reisebegleiter. Oder sagen wir als Sklave mit Deutschkenntnissen vom Dienst…

Ich muss dazu sagen, dass er 2 ältere Schwestern hat die schon mit, für unsere Verhältnisse hier, sehr gut verdienenden Herren verheiratet waren, die sich schon irgendwie sehr um den Rest der Familie kümmerten. Also hätte er theoretisch nicht zurückkommen brauchen. Was er nach seiner Rückkehr auch feststellte und sehr bereute. Hatte da aber keine Möglichkeit mehr auf nochmal ein Studienvisa. Aber so wie es leider bei vielen Jungs so ist, kommen sie zwischen Moderne und Tradition einfach nicht klar. Stürzen sich dann in Drogenkonsum, Alkoholabhängigkeit oder werden sehr fanatisch in ihrem Glauben.

 

Abdou, schien auf jeden Fall eine Ausnahme zu sein…

 

Aber immerhin versuchte er auch dieses Mal nicht näher an mich heranzukommen und tat sein bestes das ich einen guten Start in Marokko hatte. Oder sagen wir so, wie es für ihn richtig war… Und heute kann ich wirklich sagen, dass ich damit sehr Glück hatte, mit Abdou und seiner Familie. Auch, wenn es oft nicht einfach war. Ich hatte auf jeden Fall, bis heute immer einen Schutzengel, der auf mich aufpasste. Mich zwar manchmal schon ins kalte Wasser fallen ließ, aber immer wieder herausholte. Da gibt, es schon andere schlimme Geschichten was so mit Auswanderern passierte, die vorher nicht wirklich vorgesorgt hatten.

 

Jetzt war ich ausgewandert, musste aber auch überleben…

 

Dann war es die Idee, damals am Anfang noch, weiterhin Deutsch Unterricht via Skype zu geben. Ich hatte ja von vorher noch amerikanische Schüler, die in Deutschland stationiert waren und diese waren auch einverstanden mich 1 oder 2 Mal die Woche online zu treffen. Für mich auf jeden Fall perfekt und für sie weiterhin eine gute Möglichkeit, beim gleichen Lehrer Deutsch zu lernen – Obwohl ich ausgewandert war. Somit konnte ich mich am Anfang noch gut über Wasser halten… Denn klar, ich hatte auch nicht gerade sehr viel Geld mitgenommen um 1 Jahr sorgenfrei zu überleben, weil ich mir alles so idyllisch und einfach vorstellte… Wie im Paradies aus 1001er Nacht halt.

 

Ausgewandert nach Marokko

 

In dieser Art von Haus, etwas sauberer und gepflegter, verbrachte ich die ersten Wochen nach meiner Ankunft.

 

Das simple Leben ist aber nicht immer so einfach, wie es ausschaut…

 

Ich dachte mir, wenn es die Leute hier auch mit so wenig Geld schafften, schaffe ich das ebenfalls! Heute würde ich es aber ganz bestimmt nicht nochmal so machen… Ich würde mich erstmal um eine Unterkunft und einen Job kümmern. Nicht gleich losziehen und darauf warten was so passiert, anderen blauäugig vertrauen und immer das Gute in einem sehen. Diese Sichtweise hat mir Marokko aber auf jeden Fall sowieso ganz schnell ausgeredet.

 

Genau, und um Skype Unterricht zu geben braucht man was ?!

 

Richtig. Internet. Und zwar eine sehr gute Verbindung! Was sich gerade vor 8 Jahren noch in Marokkos Altstädten, also in den Medinas, als nicht sehr simpel gestalten ließ. Und gerade hier, im ärmsten Teil der Stadt, hatte man Zuhause ja auch kein Wlan. Also probierten wir es mit einem externen Router plus USB Stick. Was auch eigentlich funktionierte, aber nicht optimal war. Denn wir lebten in einer Art Riad. Einem Haus ohne Dach mit großem Innenhof aber dicken und hohen Wänden. Da Empfang zu bekommen ging nur an bestimmten Stellen. Dazu kam noch die ständige Unruhe im Haus, die Streitigkeiten untereinander über Geld und wer hier eigentlich das Sagen hatte.

 

Aber eigentlich ging es immer um die netten Talerchen, denn diese waren leider nicht sehr enorm vorhanden

 

Lamia, die jüngere Schwester Abdous, die noch mit im Haus lebte, arbeitete als Garderobendame in einem Edel Nachtclub in der Neustadt, in Gueliz. Musste also abends ab 23 Uhr aufgedonnert das Haus verlassen und kam immer erst am frühen Morgen zurück. Wenn überhaupt… Ist auf jeden Fall kein üblicher oder sagen wir, sehr angesehener Job. Aber für sie wohl die einzige Möglichkeit von Zuhause raus zukommen und neben den 200 € Festgehalt etwas mehr Trinkgeld zu machen. Wo aber immer diese tollen schnieken Sachen, ihr neues Smartphone und die Schminke herkamen, war mir damals noch ein Rätsel…

 

 

Die Arbeitsmoral stoß aber nicht bei allen hier sehr auf Motivation…

 

Sein kleiner Bruder, knapp 20, arbeitslos und ein Streuner der nur mit seinen Kumpels in den Gassen herum hing, wohnte auch noch mit uns zusammen. Insgesamt waren wir 4 plus immer viel Besuch. Was ja eigentlich noch wenig ist … Trotzdem war also immer was los!

Ich denke das wir so 4 Wochen zusammen lebten und dann entschloss ich mich dazu, doch meine eigene Bleibe zu finden. Irgendwie vermisste ich jetzt doch meine Einsamkeit, vor der ich aus Deutschland doch weggelaufen bin… Ein eigenes Haus wollte ich, in der Medina, also zur Miete. Mit einer tollen Dachterrasse und etwas, dass ich mir selber einrichten konnte. Kann ja wohl nicht sooo schwer sein, sowas zu finden, dachte ich mir…

 

Ausgewandert nach Marokko

 

Also machten Abdou und ich uns auf die Suche…

Aber was daraus wurde, erzähle ich euch im nächsten Blog Post – Ausgewandert Teil 3!

4 Comments

    • Fobo2019

      Liebe Alexandra 💕 Vielen Dank und ich freu mich sehr über dein Feedback 🥰 Der nächste Teil kommt in Kürze! Bis dahin wünsch ich dir alles Gute 🍀

    • Hainke

      Hallo Nadine

      Sehr spannend schreibst Du alles. Ich lese Deine Berichte sehr gerne und werde mich auch noch bei den anderen Sachen, die Du schreibst durchlesen. Es ist wie ein Buch lesen, vielleicht denkst Du ja mal später daran eines zu veröffentlichen 😉
      Freue mich schon auf Deinen nächsten Bericht.

      Lieber Gruss
      Marie-Thérèse
      ausdemorien.ch

      • Fobo2019

        Liebe Marie-Thérèse!

        Ich freu mich sehr über deine netten Worte und das Dir meine Postings gefallen 💕
        Und jaahh, ich arbeite bereits an einem Buch! Das werde ich dir dann schicken !

        LG,
        Nadine

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